Diversität ist trump(f)

Nachdem es im vergangenen Jahr Kontroversen um die Dominanz der weißen Oscarnominierten gab – Hashtag #oscarsowhite – gibt es in diesem Jahr weit weniger Anlass zum Shitstorm. Mit den acht Nominierungen für den Golden Globe Gewinner „Moonlight“ hat es eine Coming-of-Age-Story eines afroamerikanischen Jungen (der auch noch seine Liebe zu anderen Jungs entdeckt) unter die heißesten Kandidaten geschafft. Der Film von Barry Jenkins gilt nicht nur als Alibi-Lösung, sondern wird vielfach von Presse und Publikum gefeiert. Denzel Washington ist als Hauptdarsteller seiner vierfach nominierten Adaption von August Wilsons „Fences“ ebenso gut im Rennen wie seine Leinwandpartnerin Viola Davis. Octavia Spencer ist als eine der Hauptdarstellerinnen in „Hidden Figures“, der von drei afroamerikanischen Frauen im NASA-Projekt der Fünfziger handelt, nominiert. Die Voraussetzungen sind also gut für Diversität. Doch die männliche Dominanz bleibt und sorgt für Unmut. Sicher, das ein oder andere (männliche, Trump wählende) Academy-Mitglied wird vielleicht sagen, in den Kategorien Beste Haupt- und Beste Nebendarstellerin seien doch immer ausschließlich Frauen zu finden – es ist aber dennoch auffallend, dass unter den Regisseuren der in diesem Jahr neun für den Besten Film nominierten Werke keine Frau zu finden ist. Immerhin hebt Maren Ade bei den nicht-englischsprachigen Nominees die Quote leicht. Sie hat derweil nicht die schlechtesten Karten – weniger wegen ihres Geschlechts, als vielmehr aufgrund der Tatsache, dass sie als Gewinnerin des Europäischen Filmpreises ins Rennen geht. Das ist oft eine gute Voraussetzung, wie zuletzt „La Grande Belezza“ gezeigt hat. Meryl Streep ist derweil zum 20. Mal nominiert und allein das ist Grund zum Anstoßen. Sie hat ihn auch in diesem Jahr absolut verdient, vielleicht mehr noch für ihre Golden Globe Rede zur Lage der Nation als für ihre ohnehin makellose Leistung als „Florence Foster Jenkins“. Es dürfte spannend werden, wie viele ihrer Kollegen und Kolleginnen sich anschließen werden und die Academy Awards zu einer politischen Veranstaltung erheben. Es wäre wichtig, denn wie Streep betonte, ist neben dem gesunden Menschenverstand auch die gesamte Filmindustrie durch die Trump-Administration bedroht. Aber die Oscars haben sich in den vergangenen Jahrzehnten nur widerwillig für politische Aussagen instrumentalisieren lassen, daher ist zu erwarten, dass sich am Ende dann doch alle in den Armen liegen und die zweistellige Zahl der Statuen für Damien Chazelles vierzehnfach nominierten „La La Land“ feiern. Denn sich selbst feiert Hollywood immer noch am besten.

Academy Awards 2017