"Don't Breathe" (2016)

Ins Kino gegangen, geatmet.

Ab und zu…

Als Suspense-Junkie alter Schule erlebe nur noch selten wirklich befriedigendes Angst-Kino. Zum einen habe ich schon einigermaßen alles gesehen und zum anderen, ich weiß auch nicht. Halbgarer Scheiß flutet meines Erachtens schon viel zu lange die Lichtspielhäuser dieser Welt und senkt halt die Wahrscheinlichkeit, sich auch mal in etwas Brauchbares zu verirren. Ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich das letzte Mal wirklich zufrieden aus einem spannenden Film, darunter verstehe ich grob alles von Thriller bis Horror, gekommen wäre. Und Hallelujah, rot angepinselt sei der heutige Tag!

Drei Einbruch-Azubis steigen in das Haus eines blinden Kriegsvetranen und dessen Hund ein, um einen Batzen Kohle einzusacken. Dumm nur, dass die drei nicht homogen mit Intelligenz ausgestattet sind, der blinde alte Mann ein beinharter Eisenbeißer ist und Finsternis nicht für alle Anwesenden ein relevantes Problem. So dreht sich der Spieß schon recht bald um, denn in der Welt eines Blinden ist der Sehende der Blinde.

Die Handlung ist ökonomisch auf das Notwendige reduziert, sie kann gar nicht störend in die Quere geraten. Auf inhaltliche Kapriolen wird verzichtet, das was ist bleibt in einem glaubwürdigen Rahmen und läuft nicht Gefahr, über die eigenen Füße zu straucheln. Hier geht es um Spannung in einem glaubwürdigen Setting. Und wenn das einigermaßen stimmig ist, kann ruhig auf die Tube gedrückt werden.

Der Cast ist exzellent. Von Beginn an war ich voll involviert, noch bevor es eigentlich richtig losging. Wohltuend, mal keinen Schießbudenfiguren beim Sterben zusehen zu müssen. Schön, wie Regisseur Alvarez (auch Drehbuch) echt wirkende Menschen inszeniert, die einen interessieren und damit letztendlich sogar kümmern. Einer der wichtigsten und leider meist sträflichst vernachlässigten Aspekte. Und mit Stephen Lang in der Rolle des Blinden hat man die Filmgeschichte um ein unvergessliches Leinwandmonster bereichert. Ich schreibe "Monster", weil ich musste irgendwie an Boris Karloff denken. Die Präsenz dieses Darstellers ist wirklich ähnlich beeindruckend. Durch seine seelische und körperliche Versehrtheit wirkt er zeitweise wie ein Insekt, oder ein Gespenst, aber dann ist da auch eine menschliche Komponente, die, ähnlich wie bei Karloffs Frankenstein-Monster, Empathie zulässt. Man ist hin- und hergerissen. Eigentlich war ich sogar mehr auf Seite des Blinden. Gute Filmmonster sind eben selten geworden. Und wie die drei Eindringlinge hat er seine Motive, die fragwürdig sein mögen, ihn aber doch auch als Opfer ausweisen.

Ich habe lange schon keinen so gut gemachten Film dieser Art mehr gesehen. Klein, fein und bis hin zum Filmscore absolut gelungen. Wie das Beste aus längst vergangenen Zeiten. Ein klaustrophobisches, fett atmosphärisches Kammerspiel, einfach ästhetisch astrein in Szene gesetzt. Ein Dickschiff. Ein Klassiker. Wenn es so etwas rückblickend noch geben wird in Zukunft.

Mit Fede Alvarez ("Evil Dead"-Remake) haben Raimi und Tappert ("Evil Dead"-Original und Remake) jedenfalls ein Mördertalent an Land gezogen und ich hoffe sehr, dass die Zusammenarbeit noch weiter fortgeführt wird.

Don't Breathe (2016), Suspense, Thriller

https://youtu.be/76yBTNDB6vU

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