Ein Freund fürs Leben

Viele hatten schon befürchtet, dass »The Last Guardian« als Vaporware in die Geschichte eingeht. Doch sechs Jahre nach der ersten Ankündi- gung erscheint der Abschluss der Trilogie von Fomito Ueda nun doch. Un- möglich, die Erwartungen zu erfüllen, die 2001 mit »Ico« ihren Ursprung fanden und durch »Shadow of the Colossus« vier Jahre später genährt wurden. Besonders auf »Colossus« blicken viele Videospieler mit warmen Gefühlen zurück. Dabei sind Uedas Spiele nicht frei von Fehlern. Ihre Faszination lässt sich aber nicht in Prozentpunkten messen. »The Last Guardian« macht es einem auf den ersten Blick nicht leicht, es zu lieben. Die Grafik ist stimmungsvoll, aber recht eintönig. Die Steuerung bockt und die Kamera krampft. Ganz nach alter Schule muss man investieren, um etwas zurückzubekommen von Uedas Werk. Aber selten lohnte es sich so sehr wie hier. Als namenloser Knabe erwacht man inmitten eines Ruinenkomplexes. Vor ihm liegt ein riesiges verletztes Tier, von Statur und Verhalten einer Katze ähnlich, mit den Füßen und den Federn eines Vogels, das er Trico nennt. Erst als er es mit glimmenden Tonnen füttert und von den Speeren und Fesseln befreit, gewinnt der Junge sein Vertrauen und fortan weicht Trico nicht mehr von seiner Seite. Gemeinsam treten sie den Weg aus dem Labyrinth an, überwinden Abgründe und Höhlen- komplexe, ähnlich dem wundervollen »Majin & The Forsaken Kingdom« vor einigen Jahren. Das Tier wächst uns ans Herz und ist dabei beeindru- ckend lebendig. Keine künstlich erschaffene Kreatur hatte je etwas so Eigenwilliges. Das bedeutet im Umkehrschluss allerdings auch, dass die rudimentäre Kommunikation mit Trico gelegentlich den Spielfluss behindert – aber nichts hindert den letzten Wächter daran, geradewegs ins Spielerherz zu gelangen.

The Last Guardian