ein paar persönliche eindrücke vom "schlachtfeld"

einige eindrücke vom geschehen gestern abend/nacht in der hamburger schanze (erhebe keinen anspruch auf objektivität, ich lege nur dar, was ich gesehen und erlebt habe).
nähe holstenstraße blockiert eine fahrraddemo. alles verläuft friedlich. als fahrraddemonstranten sich weigern, die straße zu räumen, geht von einem polizeifahrzeug ohne warnung die fensterscheibe runter, der beamte spritzt tränengas ins gesicht eines demonstranten. die demonstranten verlassen geschockt die straße. „wir sind friedlich, was seid ihr?“ rufen sie den vorbeirasenden polizeiwagen hilflos hinterher.
richtungs schulterblatt massive polizeipräsenz. pflastersteine und scherben liegen auf dem boden, barrikaden brennen, feuerwerk knallt, vermummte sind unterwegs (vermummung ist in der tat hier inzwischen für jeden sinnvoll wegen des tränengases, das in der luft hängt). ich halte mich mehrere stunden in diesem gebiet auf. von den „gewaltexzessen“, die im fernsehen immer wieder so benannt werden, habe ich persönlich nichts gesehen oder gehört. weder von polizei- noch von autonomenseite.
ich sehe zufällig, wie ein beleibter, anscheinend unbewaffneter mann von der gsg9/sek (?) mit gezogenen waffen von einem gebäude heruntergebracht wird.
der geplünderte rewe wird von polizisten gesichert, der besitzer des kiosks gegenüber erzählt uns, leute hätten alkohol und zigaretten herausgeholt und unter den leuten verteilt – wir kämen „leider“ zu spät. die stimmung hier ist – trotz grotesker polizeipräsenz und wasserwerfern – weitgehend entspannt.
ein offensichtlich äußerst gereizter polizist schubst einen zivilisten und schreit ihn an, sicherheitsabstand zu wahren, obwohl der mann lediglich da stand. davon abgesehen war es aber durchaus möglich, mit einigen beamten kurze, vernünftige gespräche zu führen.

sehr irritierend empfinde ich nach wie vor den umstand, dass über verletzte demonstranten (und unbeteiligte?) keinerlei zahlen oder schätzwerte vorliegen (oder veröffentlicht werden?), wohingegen man über die anzahl verletzter polizisten (sowie verhaftungen) laufend auf dem neuesten stand gehalten wird. inzwischen sind es an die 200. eine zahl, die für sich genommen schon belegen dürfte, was für eine fatale entscheidung es war, g20 ausgerechnet in der hamburger innenstadt zu positionieren. ob nun aus naivität getroffen oder aus einem politischen interesse an der eskalation heraus. die leidtragenden sind neben zahlreichen sachgeschädigten vor allem die teils schwer verletzten zivilisten sowie polizisten, denen ich an dieser stelle mein mitgefühl aussprechen möchte. sie alle sind opfer einer katastrophalen politischen fehlentscheidung, die hoffentlich konsequenzen haben wird. die bürger einer stadt einem solchen, durchaus vorhersehbaren wahnsinn auszusetzen, nur damit ein paar staatsvertreter in ruhe beethoven hören, ochsenbäckchen fressen und dazwischen in ruhe weiter die welt verschlimmbessern können, ist me. völlig inakzepabel.
wir werden sehen, was der letzte tag noch bringt. bleibt alle gesund!

G20

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