Ein persönlicher Nachruf

Soundgarden war ein Aha-Erlebnis für mich. Eine Band, die meinen Musikgeschmack entscheidend geprägt hat. „Superunknown“ war das erste Album, das ich mir selbst gekauft habe, auf dem Flohmarkt. Damals kannte ich Nirvana noch nicht, meine musikalische Sozialisation war bis dahin geprägt durch die Musik meiner Eltern, die Beatles, Joan Baez, Cat Stevens, Donovan und so weiter.

Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie ich die (ja) Kassette das erste Mal abgespielt habe und dachte, wow, was ist das?? Das Album hat mich Jahre lang begleitet, und ich persönlich finde, dass der MTV-Überhit „Black Hole Sun“ so ziemlich der schwächste Song auf der Platte ist. Das will schon was heißen.

Chris Cornells Texte haben irgendeinen Nerv bei mir getroffen, ich kannte alle auswendig. „First it steals your mind and then it steals your soul“ hatte ich mit Edding auf meinen Bundeswehrrucksack geschrieben, den ich als wütender, weltschmerzgeplagter Teenager durch die grauen Gänge meiner verhassten Schule schleppte, wenn ich denn mal hingegangen bin.

Ich habe mir dann fast alle Platten gekauft, und jede enthielt Songs, die mich lange begleitet haben. Soundgarden war die erste sogenannte Grunge-Band, die mir in jungen Jahren begegnete, und ich war sofort angefixt. Nicht viel später kamen dann Nirvana, Alice in Chains, Screaming Trees, The Gits usw. in meinen musikalischen Kosmos. Ich habe sie alle gefeiert und studiert.

Ich bin nicht sonderlich abergläubisch, aber wenn man diese Bandnamen heute liest, kommt es einem schon ein bisschen so vor, als liege ein Fluch über dem, was man damals Grunge nannte. Kurt Cobain, Layne Staley, Mia Zapata und auch andere sind tot, und jetzt Chris Cornell.

Ich muss zugeben, dass ich in den letzten Jahren nicht mehr viel von ihm mitbekommen hatte. Audioslave war nicht so mein Ding, und die Soundgarden-Reunion habe ich zwar am Rande wahrgenommen, es aber aus irgendwelchen trivialen Gründen nicht geschafft, sie mal live zu sehen, was mich heute ziemlich traurig macht.

Normalerweise trauere ich nicht so über tote Stars. Der Tod von David Bowie letztes Jahr war bitter. Das hier ist noch mal was anderes. Letzte Woche noch habe ich an einem alten Schrank ein Schwarzweißfoto von Chris Cornell entdeckt – auf der Bühne, mit nacktem Oberkörper und Gitarre, den Blick zum Boden. Sein Gesicht ist kaum zu erkennen auf dem verschwommenen Bild. Ich wollte den Schrank streichen und hatte überlegt, ob ich es abmachen und wegwerfen soll. Irgendwas in mir hat sich dagegen gesträubt. Klingt albern, ich weiß.

Rest in peace, Chris.

Chris Cornell

http://www.laut.de/Soundgarden/Alben/Superunknown-20838

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