Ein schweres Erbe und ein klarer Verlierer

Früher habe ich mich auf Schlag den Raab immer schon Wochen im Voraus gefreut. Bis 2 Uhr Nachts mit Bier und Chips vor dem Fernseher sitzen, mitraten und mitfiebern. Schöne Zeiten waren das.

Gestern gab es dann die erste Neuauflage mit Steffen Henssler als Nachfolger von Stefan Raab. Man hatte sich ja durch "Schlag den Star" schon ein wenig an das Format ohne Protagonist Raab gewöhnen können. Dieses Mal sollte das Konzept allerdings so nah wie möglich an das abendfüllende Event von früher herankommen. Nur kleine Änderungen habe es: Nur 3 statt 5 Kandidaten standen zur Beginn zur Auswahl - was ich sehr angenehm fand, da es den Beginn weniger zäh machte - und statt Steven Gätjen führte Elton als Moderator durch den Abend. Dann natürlich Steffen Henssler in der Hauptrolle. Nicht ganz so ehrgeizig wie sein Vorgänger, daher weniger markant. Das gute an Raab war ja, dass man sich sowohl mit ihm freuen, also auch herrlich über ihn aufregen konnte. Wenn er wieder sämtliche Regeln in Zweifel zog oder seine berühmten Schreie bei jeglicher Kraftanstrengung ausstieß. Henssler blieb dagegen eher blass und drückte der Sendung nicht so wirklich den eigenen Stempel auf. Am Ende wird er wohl trotzdem die meisten Sympathien auf seiner Seite gehabt haben, als er sich nach einem langen Abend am längsten an der Pole Dance Stange halten konnte und den Titel gewann. Denn Kandidat André machte sich im Laufe der Sendung immer unbeliebter, legte zuweilen eine “Null Bock”-Mentalität an den Tag. Konversation war nicht wirklich seine Stärke, obwohl er bei den Wissensspielen durchaus gut performte. Oft wirkte er genervt und brachte das durch Kommentare wie "gibt ja auch noch anderen Sport als Fußball" (er sollte die Spieler auf einem Confed Cup Mannschaftsfoto benennen) zum Ausdruck.

Polarisierende Kandidaten gab es ja auch schon bei Schlag den Raab zu Genüge, das lag tatsächlich nicht am neuen Konzept. Alles in allem hat auch Steffen Henssler hat einen soliden Job gemacht, wenn man bedenkt, welch schweres Erbe er hier antritt. Von allen deutschen TV Größen verfügt er wohl am ehesten über die Fähigkeiten und den besonderen Charakter, den es für dieses Format braucht. Der wahre Verlierer der Show war für mich ganz klar Moderator Elton, der einen ganz schwachen Abend erwischte. Von seiner sonstigen Schlagfertigkeit und Spontanität war nichts zu spüren. Stattdessen schien er selber mehr und mehr genervt von Kandidat André zu sein und provozierte diesen immer wieder mit unnötigen Sticheleien. So schmierte er ihm immer wieder seine “zu ruhige Art” aufs Brot, fragte sogar seine Angehörigen im Publikum, ob er nicht mal “einen ordentlichen Arschtritt” kriegen sollte. Bei einem Ratespiel erkundigt sich André mehrfach bei Elton nach der verbleibenden Zeit, worauf dieser ihn ankeift: “frag nicht so viel, konzentrier dich auf die Aufgabe, man ey!”. Das gehört sich für einen Profi nicht und macht nur schlechte Laune bei Kandidaten und Zuschauern.

Fazit: Schlag den Henssler hat durchaus Potential, die Spiele waren größtenteils spannend und gut ausgewählt. Ich werde mir die nächste Ausgabe wohl wieder anschauen, allerdings kann dann gerne wieder Steven Gätjen den Job des Showmasters übernehmen.

Schlag den Henssler 30.09.2017

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