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Es wird nichts bleiben

Allmählich in ein gesetzteres Alter schlitternd und gerade meinen Messi-Anwandlungen der letzten Jahre entsagend, komme ich beim Befüllen diverser Müllsäcke viel zum Nachdenken und Resümieren. Im Prinzip entsorge ich gerade meine Vergangenheit. Bis auf ein paar Platten, CDs, Bücher, Fotos und so, geht alles zum Teufel. Auch Möbel. Der Plan ist so gut wie nichtsmehr zu besitzen, wenn ich dann irgendwann umziehe. Seid also beruhigt, die ihr euch schon als potentielle Umzugshelfer in Gefahr wähnt. Ihr werdet gar nicht gebraucht.

Es tut gut wegzuschmeißen. Ich merke das gerade recht intensiv. Sich zu überlegen, was einem wirklich noch wichtig ist. Und was abseits von Herz und Erinnerung unbedingt einer physikalischen Präsenz bedarf. Es ist nicht viel. Meine gesamten Uni-Mitschriften und -Unterlagen, ab in den Müll damit! Sie fressen nur Platz und Staub. Werde ich da je wieder reingucken? Beim kurzen Check die Erkenntnis: Absolutely not. Das Gekrakel kann man ja eh kaum lesen.

Irgendwelche uralten Kassetten und gebrannte CDs. Tonnen bespielter Videokassetten! In liebevoller Arbeit mit TV befüllt und dann archiviert. Was hat es Befriedigung gestiftet und Sammeltriebe befriedigt, die Beute nach Genre oder Regisseur geordnet in Listen einzutragen.

Das war irgendwie schon eine bessere Zeit. Das Analoge fühlte sich organischer und geduldiger an. Es war ein Ritual, so einen Film zu archivieren und ich glaube das Wissen darum, dass man einer perfekten Kopie höchstens nahe kommen konnte, ließ ihm seine Würde und Gebundenheit an das heilige Kino. Man sammelte nicht um Kino überflüssig zu machen. Man beschäftigte sich so mit Film. Man hatte Filme im Regal in erster Linie, um über sie nachzudenken und darauf zu warten, sie vielleicht mal wieder auf großer Leinwand zu sehen. Nur die Ungeduld brachte das Abspielgerät ins Spiel.

Die Hürden machten das Hobby interessant. Heute ist Beschaffung viel zu einfach geworden und technische Luxus-Aspekte lenken sehr vom eigentlichen Gegenstand ab. Doch mittlerweile bin auch ich digital verdorben und würde das, auch durch Alter zunehmend verwitternde, magetische Geflimmere und ins TV-Verhältnis gehackte Bild, nichtmehr aushalten. Also weg damit.

Wenn ich demnächst also umziehe, dann soll die neue Wohnung vor allem Eines sein: Leer. Luftig ist ein schöneres Wort. Bloß nicht zu viele Regale bereitstellen. Sonst geht das Gehorte wieder los. Nur die allerwichtigsten Filme werde ich behalten. Alles andere kann bei Bedarf ja temporär zu Besuch kommen. Aber man muss einen Film nicht besitzen, nur weil er gut ist. Er muss einem wichtig sein! Da kann sich auch formal schlecht Gemachtes darunter befinden. Man sollte behalten was man wirklich liebt. Alles andere: Weg!

Man nimmt nichts mit in den Tod. Ich glaube das Bedrückende am Älterwerden wird bestärkt durch das Festhalten am Ballast des Vergangenen. Als wäre der ganze Müll wie ein Anker, der verhindert, dass das endgültige Ende dereinst einen fortreißen kann. Doch das ist Bullshit. Es wird passieren. Und es wird nichts bleiben. Dein wertloser Nachlass wird auf den Müll wandern und einen nur sehr kurzen Moment später die Erinnerung an dich ebenso. Wozu also in einem Museum wohnen?

Ich freue mich auf das nächste Kapitel in meinem Leben. Ich will mehr kreativ sein und weniger Scheiß besitzen. Kreativ zu sein ist Leben. Zeug zu sammeln eher wie das Meißeln von Buchstaben und Zahlen in einen Grabstein. Und wenn das ich sage, ein ausgewiesener Nostalgiker, dann muss da was dran sein!

Guten Sonntag.

Grübeln, Sinnieren und Tagträumen..., Sonntag, Loslassen, Sammeltrieb