fegefeuer der eitelkeiten

nein – so abwegig ist der vergleich mit der weimarer republik tatsächlich nicht, und ich gebe dr. albus recht: der gestrige wahlcoup der afd gibt allen grund zu massiver besorgnis, jedenfalls auf bürgerseite. davon war jedoch bei den im tv übertragenen aftershow-talkrunden mit den vertretern aller ach so unterschiedlichen politischen farben bezeichnend wenig zu spüren.

stattdessen stand anstelle des eklatanten rechtsrucks wie gewohnt nur die eigene, teils angekratzte eitelkeit im fokus. hüben wie drüben gab man sich zerknirscht über massive stimmenverluste, freute sich aber auch dümmlich-unverhohlen über eigene teilerfolge (malu dreyer triumphiert über cdu...) und wurde nicht müde, wie immer auch das versagen der gegnerischen parteien zu betonen, eigene fehler zu relativieren, sich gegenseitig den schwarzen peter zuzuschieben, aber allenthalben knapp unter der oberfläche des eigenen tellerrands zwangsoptimitisch in die zukunft zu glotzen.

auch echauffierte man sich nicht gerade über die rekordwahlbeteiligung; vor allem bisherige nichtwähler hatten sich ja dazu berufen gefühlt, der afd ihre stimme zu geben. wenn das für die etablierten kein grund zur mindestens gedämpften freude ist - denn immerhin werden die neuen stimmen für die afd ja nicht in der hauptsache vom eigenen konto abgebucht - und um nichts anderes scheint es in diesem zirkus ja zu gehen - während unsereins starr vor schreck vor dem tv sitzt und überlegt, wie und wohin am besten ausgewandert wird.

was also hätte ich (in einer anderen welt...) stattdessen in einer solchen talkrunde erwartet von einem vertreter einer partei, die ich tatsächlich wählen würde? - entrüstung, und zwar massive. protest, und zwar lautstarken. eine echte, ehrliche, nicht einstudierte auseinandersetzung mit dem debakel. ich hätte die worte hören wollen: „sieht denn keiner, was hier passiert? und nein, mit diesen fratzen von der afd stelle ich mich verdammt noch mal NICHT zum gefälligen plaudern an einen tisch!“

wie gesagt, in einer anderen welt. in dieser marschieren wir eben einfach weiter den von uns (noch) gewählten entscheidungsträgern blind-taub-stumm hinterher,, auf den abgrund zu, bis wieder genau das passiert, was ja eigentlich nie wieder passieren sollte. aber was willste machen, oder? gute nacht sagen vielleicht. gute nacht, deutschland. schlaf schön weiter und träum vom neuen iphone.

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