Filme, die ich als Kind vielleicht besser nicht hätte sehen sollen

Schauerfee schrieb kürzlich einen Kommentar über Kinderfilme, die sie ihren Kindern nicht zumuten würde. Nach der Lektüre überlegte ich, welche Filme mir in meiner Kindheit vielleicht besser nicht hätte sehen sollen. Klassische Kinderfilme waren nicht darunter. Es waren einige Filme für „die Großen“, die mich als Kind teilszutiefst beeindruckten, teilweise aber auch nachhaltig verstörten.

Ich beginne mit einem relativ harmlosen Beispiel: „Fritz the Cat“
Es fing damit an, dass ich mit acht oder neun Jahren zufällig inder Fernsehzeitung entdeckt habe, dass in einem unserer drei Programme (meine Eltern waren gegen die „Schüssel“ auf dem Dach) spät Nachts ein Zeichentrickfilm lief: „Fritz the Cat“, das klang für mich nach einem lustigen Zeichentrickfilm . Ich bat also meinen Vater, den Film auf Band aufzunehmen, was dieser auch tat. Offensichtlich ließ er auch sich vom Genre „Zeichentrickfilm“ in die Irre führen. Der späte Sendetermin irritierte ihn offenbar auch nicht.
Der Streifen entpuppte sich als bitterböse Satire auf die gesellschaftlichen Konflikte der USA zu Beginn der 70er Jahre. Ich war über das Ausmaß der dargestellten Gewalt sehr überrascht. Zum ersten Mal sah ich wichtige Charaktere in einem Zeichentrickfilm sterben. Die Sexszenen habe ich schlicht nicht verstanden und mich gefragt, was die Leute da eigentlich für komische Sachen machen. Mir wurde erst viel später klar, dass ich u. a. Zeuge von Gruppensex und einem Cunnilingus wurde. Ähnlich erging es mir mit dem dargestellten Drogenkonsum. Obwohl ich viele Szenen als verwirrend, unverständlich und traurig empfand, gefiel mir der Film sehr und ich habe ihn mir oft angesehen.

Ein ganz anderes Kaliber war hingegen„Terminator“
Als ich „Terminator“ gesehen habe, war ich vielleicht acht Jahre alt. Damals war der zweite Teil gerade in den Kinos gewesen und alle Jungs redeten natürlich drüber. Eines Tages brachte mein älterer Bruder den Film mit und wir schauten ihn uns zusammen an. Dieser Film hat mich damals definitiv überfordert. Mich ängstigte die Kälte und Kompromisslosigkeit des Terminator sund seine skeletthafte Erscheinung. Jedoch sollten sich besonders die Szenen, in denen die Zukunft dargestellt wurde, in mein Gedächtnis einbrennen: Wolkenverhangene, von Totenschädeln übersähte Ruinenlandschaften, die von riesigen Killermaschinen auf der Suche nach Menschen durchpflügt werden. Menschen, die sich in permanenter Angst in dreckigen Bunkern verstecken, sich von Ratten ernähren und – was mich als Kind wirklich fertig machte – keinen funktionierenden Fernseher haben (Es gibt eine Szene, in der zerlumpte Kinder traurig in einen kaputten, brennenden Fernseher starren).
Das also sollte die Zukunft der Menschheit sein? Ewige Dunkelheit, Kampf ums Überleben mit einem überlegenen Gegner? Mein Glaube an die Zukunft war ruiniert. Daran änderte auch Raumschiff Enterprise nichts mehr. Bis heute habe ich ein extrem kritisches Verhältnis zu Technologie.

Weitere Nahrung für meinen Pessimismus war: „Die Klapperschlange“.
Diesen Film sah ich mit neun Jahren zufällig spät nachts während eines Urlaubs (Das Hotel hatte natürlich eine „Schüssel“ und wir einen Fernseher im Zimmer). Ich sah den Film nicht komplett, aber die Bilder von Kurt Russel als Snake Plissken, der von vertierten, beinahe zombiehaften Menschen (im Film „Crazies“ genannt) nachts durch die verfallenen Straßenschluchten Manhattens gejagt wird, sollten mich durch viele Alpträume verfolgen. Die Wirkung von John Carpenter Soundtrack tat ein übriges. Diese Szene bereitete mir als Kind nachhaltige Alpträume. Selbst heute läuft mir noch ein Schauer über den Rücken, wenn ich nur daran denke. Auch „Die Klapperschlange“ ist nicht dazu geeignet, in Kindern Zuversicht für die Zukunft zu wecken.

Ich habe als Kind noch andere Filme gesehen, für die ich laut Altersfreigabe zu jung war, aber diese drei Filme haben mich am nachhaltigsten beeindruckt. Im Falle von „Terminator“ und „Die Klapperschlange“ würde ich auch sagen, dass sie mich traumatisierten. Meine allgemeine Skepsis gegenüber der Zukunft der Menschheit und dem technischen Fortschritt im Allgemeinen allein diesen Filmen zuzuschreiben, dürfte sicher zu weit gehen, aber sie haben zweifellos wichtige ästhetische Munition für meine Empfindungen geliefert. Andererseits haben diese und andere Filme – wenngleich eher indirekt – dazu beigetragen, dass ich ein kritisches Bewusstsein gegenüber gesellschaftlichen Prozessen entwickelt habe. Inzwischen zählen sie zu meinen Lieblingsfilmen. Diese Streifen zu schauen, war in jedem Fall eine gute Idee. Nur wäre es sicher besser gewesen, damit noch ein paar Jahre zu warten. Besonders mit den letzten Beiden.

Horror

https://schauerfee.de/rund-um-den-grusel/kinderfilme-die-ganz-schoen-horror-sind/

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