generalverdacht: ist jeder, der wütend auf "die da oben" ist, ein rechter "wutbürger"?

heute fiel mir der spiegel-titel „aufstand der wutbürger – ihr belügt da oben uns doch alle“ unangenehm auf. denn ich halte ihn wegen seiner verbindung von head- und subline für ideologisch äußerst bedenklich.

der begriff „wutbürger“ ist seit nicht allzu langer zeit vermehrt im öffentlichen diskurs und auch in den sog. seriösen medien vermehrt anzutreffen. er ist dort mittlerweile eindeutig politisch „rechts“ verortet, wird diskursiv in der nähe von pegida, afd und konsorten gesehen. die in der konstruktion des og. spiegel-titels offensichtlich angestrebte verquickung von „wutbürger = rechts = wollen wir (so bei klarem verstand) – nicht sein“ und der zweiten aussage „ihr da oben belügt uns doch alle“ halte ich hier für äußerst problematisch, denn:

kritik am herrschenden system bzw. an den dieses vertretenden entscheidungsträgern war immer und ist nach wie vor auch eine wichtige praxis der linken. sie darf also nicht generalisiert als „rechts“ geahndet werden. wenn wir nämlich, wie es der og. spiegel-titel nahelegt, jeden, der kritik an der regierung übt und/oder gar berechtigte wut äußert, automatisch in die rechte ecke stellen, entsteht eine gefährliche pauschalisierung, mit der wir im grunde jede kritik am bestehenden system und seinen vertretern, ob von links wie aus der mitte, kategorisch aushebeln. denn aus diesen ideologischen gruppen würde sich wohl niemand der gefahr aussetzen, als „rechts“ angesehen zu werden.

die frage ist: was käme wohl am ende dabei raus? - eine meinungskonformistische gesellschaft, die alles, was „die da oben“ entscheiden, stumm hin nimmt und so zu einem willigen instrument für (zb.) jedwede art von kriegstreiberei wird. vergegenwärtigen wir uns doch mal kurz unsere geschichte und fragen uns ernsthaft: wollen wir das wirklich..?

medienkritik, spiegel, wutbürger, ideologie der begriffe

http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-2016-12.html

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