"Gimme Danger"

Band-Dokus üben einen magischen Sog auf mich aus. Einen Blick hinter die Kulissen legendärer Kombos zu werfen und deren Genese zu erleben, das ist für mich wie Göttern in den Kochtopf zu blicken, in dem letztlich auch nur mit Wasser gekocht wird. Die Folge ist aber nicht etwa Entzauberung. Zu sehen, wie aus Chaos und Dilettantismus Legendäres wird ist pure Magie. Im Fall der "Stooges" besonders, weil gerade hier aus beinahe nichts als roher, jugendlicher Energie eine Band wurde, die zur Kreativität verdammt war, da ihre Member erstmal nicht viel konnten. Zum Glück. Außer Lärm. Und Iggy, zunächst am Schlagzeug, wurde schließlich als Frontmann und Performer zur Naturgewalt, die dem Band-"Experiment" ein berüchtigtes Gesicht gab.

Sehr faszinierend fand ich unter anderem, wie Iggy selbst erläuterte, woher ein Teil der Inspiration für seine Bühnenpersona stammte. Nämlich von Figuren aus dem TV-Kinderprogramm, mit denen er aufwuchs. Auch dass er seine Lyrics eher ökonomisch anlegte, hat er sich von da abkekuckt. Etwas, das ruhig mal wieder in Mode kommen könnte. Zuviel "Blabla" killt bei mir jedenfalls das Kopfkino beim Musikhören.

Fesselnde Dukumentation von Jim Jarmush. Irre, wie diese laute und direkte Musik aus einer Zeit stammte, in der sie nur umso lauter und direkter eingeschlagen haben muss. Nicht ohne anfängliche Irritationen selbstverständlich, die sich in vielen Bierflaschen ausdrückten, die zuerst bei den Jungs auf der Bühne einschlugen. Sie sahen dabei auch noch echt cool aus. Und machten coolen Scheiß. Nein Musik. Erotik in den Künsten liegt eben nicht ausschließlich in Virtuosität. Gerade limitierte Fertigkeiten machen Kreativität unabdingbar und sind der Götterfunken wahrer Innovation. Dröges Mittelmaß hat hier keine Chance. Denn entweder es kommt nur furchtbarer Schrott dabei heraus … oder Iggy Pop & The Stooges.

Iggy Pop, Iggy Pop & The Stooges, Jim Jarmusch, Dokumentation

https://www.youtube.com/watch?v=DovOlh1GzuU