je suis Dakar

Jeden Tag hören und lesen wir in den Medien von entsetzlichen Katastrophen. Wenn es gerade keine neuen gibt, dann werden die alten nochmal aufgewärmt. Die meisten Menschen sind tief betroffen ob dieser schrecklichen Meldungen. Angela Merkel "weint nach den Anschlägen von Paris mit den Franzosen", und "zeigte sich tief erschüttert, als die kleine Lea-Sophie aus Schwerin verhungert und verdurstet ist“. (Stern 23.11.2007)

Für die Opfer des Flugzeugabsturzes der German Wings 2015 mit 150 Toten gibt es eine landesweite Gedenkminute und eine zentrale Trauerfeier im Kölner Dom. Dort finden sich neben Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel auch Vertreter aus Spanien, Frankreich und weiteren betroffenen Ländern ein. Über Paris und „Charlie" brauche ich nichts berichten, ich denke ihr seid bestens informiert.

Noch eine Auswahl?:

"Verhungertes Kind: Das stille Sterben der kleinen Sarah. Sarah muss vor Hunger geschrien haben, solange sie die Kraft dazu hatte: Die Dreijährige verhungerte in ihrem Kinderzimmer" (Spiegel online 18.11.2010)

"Ein Kind verhungert - mitten in Deutschland" (SZ 19.02.2010)

"Neue Tragödie in Amerika - Kind beinahe verhungert: Sechsjähriger lebte neben toter Mutter" (Hamburger Morgenpost 11.03.2000)

Aber diese Meldung: ...

"Unter noch ungeklärten Umständen ist gestern ein vierjähriges Mädchen in einem Dorf in der Nähe der Senegalesischen Hauptstadt Dakar umgekommen. Das Kind wurde von Nachbarn tot in der Lehmhütte seiner Eltern aufgefunden. Vermutlich ist die kleine Aayana B. verhungert."

… wurde in den Medien nicht gebracht. Diese (fiktive) Meldung nicht und andere auch nicht.

Denn an DIESEM TAG sind ungefähr weitere 30.000 Kinder und 20.000 Erwachsene VERHUNGERT (davon 98% in den Entwicklungsländern). Denn an DIESEM TAG sind ungefähr weitere 30.000 Kinder und 20.000 Erwachsene VERHUNGERT (davon 98% in den Entwicklungsländern). Die würden etwa 330 Airbus-Maschinen der German Wings füllen. Darüber zu berichten würde in keine Zeitung passen, soviel Sendezeit hätte kein TV-Kanal.

Menschenleben haben in den Köpfen der Journalisten offenbar unterschiedliche Werte. Und die Leute übernehmen diese Meinung wohl allzu gerne. Was empfindet man bei diesen "Sensations-Toten“? Trauer um die Menschen? Mitgefühl? Sind Tote in fernen Ländern nicht genau so schlimm, wie die mit denen man tagtäglich in den Medien konfrontiert wird?

Ich finde: JEDER Hungertote auf der Welt ist völlig inakzeptabel. Jeder Mensch, jedes Kind, das verhungert, hat einen fürchterlichen Tod. Es ist nicht ein langsames Einschlafen, wie man häufig meint; es ist ein langer, qualvoller Kampf (wir erinnern uns: "Sarah muss vor Hunger geschrien haben, solange sie die Kraft dazu hatte"), und immer eine individuelleTragödie.

Von Ebola haben wir ja gehört. Im Hauptverbreitungsgebiet Westafrika starben laut WHO bisher (Jan. 2016) 8.135 Menschen an der Seuche. Darüber wird berichtet, das nehmen wir zur Kenntnis, da haben wir Mitgefühl. In Deutschland ist sogar auch schon ein Mann gestorben (der war allerdings eingereister Afrikaner). Warum lassen wir uns von solchen Meldungen so verrückt machen, und die täglichen 50.000 Hungertoten interessieren uns nicht?

Dabei könnte man etwas dagegen tun - die Politik - jeder einzelne. Dazu später mehr.

Ich glaube, es ist die eigene Angst davor, Opfer zu sein. Seuchen kann man importieren, Hunger nicht.

Wenn wir uns dessen bewusst sind, warum nehmen wir nicht unsere Friedenszeichen-Eiffeltürme und die statements "Je suis Charlie“ und "Je suis Paris“ von der Facebookseite und schreiben:

"Je suis Hungertod“ oder "Je suis Dakar"

Hunger