Jenseits der Schmerzgrenze

Muss man über „Fifty Shades“ wirklich noch ein Wort verlieren? Wahrscheinlich nicht. Aber ich verspüre nach der heutigen Kino-„Sexperience“ (*hüstl*) so eine unwiderstehliche Lust... wirklich eindringlichst vor diesem Streifen zu warnen! Auch ein bisschen in der Hoffnung, dass er Euch mehr oder weniger glücklichen Pärchen da draußen nicht Euren wohlverdienten Valentinstag versaut.

Kurz zu den Rezeptionsvoraussetzungen: Die Bücher von E. L. James habe ich gemieden, weil mein Vater mir damals davon abriet, mit der Begründung, die seien todlangweilig.* Den ersten Film habe ich mir vorgestern und gestern (mein Hirn brauchte zwischendurch eine längere Pause) reingezogen, um mich angemessen auf die heutige Vorführung vorzubereiten.

Während der erste Teil ja vielleicht immerhin noch die eine oder andere interessante Frage zum Thema BDSM-Beziehung aufwerfen konnte, beleidigt der zweite sowohl den Verstand als auch die Libido in kaum noch erträglicher Weise.

Das Schlimmste ist dabei die hier servierte Antwort auf die uralte Frage, was Frauen eigentlich wirklich wollen. Einen sadistischen, geheimniskrämerischen, selbstverliebten, materialistischen Macho, der über ihr ganzes Leben gebieten will? Nein, das doch eigentlich nicht. Nimmt frau dann aber doch gerne in Kauf, wenn er denn stinkreich ist, einen Hubschrauber fliegen kann, gut aussieht und 1-2 mal die Woche das eine oder andere Softie-Klischee bedient. Blumen, Herzchen, Hochzeit lauten hier die Keywords. Denn, so will uns dieser Film erzählen, auch das psychisch verseuchteste Arschloch kann natürlich problemlos in einen 1A-Gatten verwandelt werden, wenn man es nur doll genug liebt und sich im Wesentlichen an seine Regeln hält.

Und ja, das ist absolut ernst gemeint, so ernst, dass man sich, nachdem man hinlänglich gekotzt hat, ernsthaft fragt, in welchem Jahrhundert wir eigentlich leben. Gibt es heute wirklich noch so Frauen, die sowas anspricht, Frauen wie Anastasia Steele, die uns der Film unverschämterweise sogar noch als ziemlich klug und emanzipiert verkaufen will? Und wenn ja, wie viele von denen haben oder hätten wohl Donald Trump gewählt, wenn er etwas attraktiver wäre? - Vermutlich alle.

Aber mal zum Inhalt. Wer am Ende des letzten Teils dachte, Mr. Grey hätte Miss Steele die Grenzen ihres Selbstaufgabewillens mit dem Gürtel hinreichend eingebläut, irrt. Ratzfatz ist der Sado-Beau wieder Hauptfokus von Anastasias Langweilerinnenleben, und das kommt so: Er kauft ihr einfach (ja, noch mal) einen Mac, das neueste iPhone und ein weiteres, schönes Auto, und schon lässt sie sich wieder (ein bisschen) den Arsch versohlen. Doch Ana hat auch ihren eigenen Willen: Blümchensex und zusammen kochen muss auch mal sein, und natürlich das, woran es laut einschlägigen Ratgebern bei Männlein und Weiblein ja immer wieder scheitert: Kommunikation über „Gefühle“ (irgh!).

Und so wird auch im zweiten Teil dieses Pseudo-Softsexfilmchens wieder sehr viel mehr und in den dümmlichsten Seifernopern-Floskeln dahergelabert als gefesselt und gepeitscht, und auch diese Szenen dürften selbst biederste Hausmütterchen/-väterchen, für die diese Reihe ja bösen Zungen zufolge ja gemacht sein soll, zutiefst enttäuschen; denn nur, wer noch nie etwas von Liebeskugeln gehört hat, dürfte hier wohl viel Neues erfahren. Von knisternder Erotik ebenfalls keine Spur, was vor allem an den Hauptdarstellern liegt, die ungefähr so viel Sex ausstrahlen wie zwei zusammengebundene Nivea-Seifen. Da hilft auch 'ne Kim Basinger nix mehr, die hier als ehemalige Liebeslehrerin von Mr. Grey einen entbehrlichen Gastauftritt absolviert.

Also, liebe Pärchen, liebe Hausmütterchen und -väterchen: Wenn Ihr für den Valentinstag etwas Prickelndes in Sachen Film sucht, Ihr wisst ja, wo das Internet steht. Darf es etwas anspruchsvoller und trotzdem etwas Explizites sein, empfehle ich noch mal den prächtig bebilderten Arthouse-Liebesporno „Love“ von Gaspar Noé**; wenn es nicht ganz so nackt und auch ein bisschen Hollywood-romantisch sein soll, lieber noch mal zu bewährten Klassikern wie „9 1/2 Wochen“, „Pretty Woman“ oder „Dirty Dancing“ greifen. Und mindestens eine Armlänge Abstand zu Mr. Grey.

Fifty Shades Of Grey 2 - Gefährliche Liebe, Fifty Shades Of Grey, E. L. James

http://www.filmstarts.de/kritiken/209893.html#

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