Keine Alternative zur Demokratie

Als ich die Überschrift „Appell gegen die Demokratie“ gelesen habe, musste ich zugegebenermaßen kurz schlucken. Der Beitrag wir zum Ende hin nun als „Gedankenreise“ bezeichnet und ich hoffe, dass jeder Leser ihn dahingehend einzuordnen weiß.

Natürlich hat die Staatsform der Demokratie an vielen Stellen Schwächen, die angesichts der Entwicklungen der letzten 1-2 Jahre sehr deutlich geworden sind. Natürlich ist die Macht auch in demokratischen Staaten nicht immer gerecht verteilt und leider auch durch Korruption und Klüngelei beeinflussbar. Aber mir kommt an dieser Stelle direkt das berühmte Zitat von Winston Churchhill ins Gedächtnis: “Democracy is the worst form of government ... except for all those other forms that have been tried from time to time.” Denn vor allem die Modelle, die gänzlich auf eine führende Figur oder Gruppe ausgelegt waren, führten in der Vergangenheit fast immer auf direktem Wege in eine humanitäre Katastrophe.
Wenn es gesichert wäre, dass ein „Führer“ sich vollends dem Wohl aller(!) Menschen in seinem Staat verpflichtet, ergäbe sich vielleicht ein anderes Bild. Dann könnten Entscheidungen schnell getroffen werden und Reformen zum Wohle der Bevölkerung schneller auf den Weg gebracht werden. Aber wer kann dann mit Sicherheit sagen, was das Wohl der Bevölkerung überhaupt bedeutet ohne die dazugehörige Debatte und die Reflektion der Entscheidungen im politischen Diskurs? Die Geschichte hat jedenfalls gezeigt, dass ein einzelner Herrscher meist im Sinne einer als überlegen betrachteten Bevölkerungsgruppe oder ausschließlich zum eigenen Vorteil gehandelt hat.
Die Kritik an der Demokratie wurde im Beitrag zwar begründet, einen Appell für Ihre Abschaffung finde ich jedoch gefährlich, da keine Alternative angeboten wurde. Denn in der jetzigen Situation würde es im Zweifel – wie richtig gesagt wurde – lediglich bedeuten, dass ein Übel durch ein anderes ersetzt wird. Letzteres wäre dann aber ein unkontrollierbares und verheerenderes.

Zum Thema „Verlust der Individualität“ habe ich im Übrigen eine andere Meinung. Demokratie bedeutet lediglich, dass jeder Mensch gleich ist in Bezug auf das Recht seine Interessen in der Gemeinschaft zu vertreten (bzw. durch seinen gewählten Vertreter vertreten zu lassen). Auf der anderen Seite ermöglicht gerade unsere freie, demokratische Gesellschaft den Menschen, ihre Individualität ausleben zu können – sei es als Künstler, Aktivist, Unternehmer, Politiker oder einfach durch den persönlich gewählten Lebensstil. Wenn wir etwas an unserem System verbessern wollen, dann dass noch viel mehr Menschen diese Möglichkeiten nutzen können – und zwar Unabhängig von Herkunft, Hautfarbe oder dem gesellschaftlichen Stand.

Demokratie

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/studie-warum-sich-viele-deutsche-einen-fuehrer-wuenschen/3561494.html

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