Kreativ? Nicht mit uns!

Schuljahre gleichen für viele von uns einem Höllenritt nicht nur wegen der täglichen Machtkämpfe unter den Schülern selbst oder aufgrund des umfangreichen Lernstoffs, sondern auch wegen der unterdrückten Kreativität, die, solange man sich in einem Klassenraum befindet, dazu verdammt ist, in den schwärzesten Tiefen des Bewusstseins zu verweilen.

Meine Tochter, Lisa, verfügt mit ihren 10 Jahren über ein ordentliches Talent zum Zeichnen und Malen. Sie hat sogar einen mehr oder minder ausgeprägten eigenen Stil entwickelt, der für ihr Alter vielleicht etwas zu düster erscheinen mag, aber Kinder kommen schließlich selten auf fremde Leute.

Alle mögen das, was sie macht. Ihre Arbeiten wurden sogar im Rahmen eines lokalen Kunstprojektes in einer Galerie ausgestellt. Ja, alle… außer ihrer Kunstlehrerin.

Was ihre Kreativität angeht, ist meine Große ein Freigeist: Sie weigert sich, an einem Malkurs teilzunehmen, weil sie nicht etwas beigebracht bekommen will, was ihren Gedankenflug stören könnte. Ich finde diese Einstellung gut, denn bei Kunst handelt es sich nicht um etwas, was feste Strukturen besitzt oder dem Diktat der Regel unterliegt.

In der Schule ist es jedoch so, dass Kinder das auszuführen haben, was das Schulprogramm für sie vorsieht – egal, wie gehirnverbrannt und ideenarm es dabei einem erscheinen mag. Da ich nicht will, dass Lisas Noten unter ihrem Kampfgeist leiden, rede ich ihr ständig ein, bitte doch so vernünftig zu sein, eine Faust in der Tasche zu machen und das Verlangte einfach nur auszuführen. Das tut sie auch. Ihre Lehrerin erfindet aber immer wieder Kritikpunkte, um Lisas Note möglichst niedrig zu halten.

Neulich hatten sie eine Aufgabe, ein frei zusammenfantasiertes Fabelwesen zu malen. Dabei durften sie ausschließlich Buntstifte verwenden. Ansonsten gab es seitens der Lehrerin keine weiteren Vorschriften.
Im Bild 1 sehen wir doch wohl ziemlich eindeutig ein Fabelwesen, das mithilfe von Buntstiften aufs Papier gebracht wurde, oder? Alles wie verlangt. Warum gab es denn dafür eine 3 mit der Begründung, es fehle dem Bild an Farbe und das Wesen sei zu düster?

Kurze Zeit davor mussten die Schüler im Unterricht ein Bild, das aus bunten Händeabdrücken bestehen sollte, präsentieren. Dies hat Lisa (im Bild 2) auch gemacht. Frau Lehrerin befand dabei die zentrale Hand für misslungen, weil sie ihres Erachtens schlampig dargestellt worden ist. Es gab wieder eine 3. Ich frage mich, warum die Lehrerin nicht gefragt hat, was diese Hand in der Mitte überhaupt hätte symbolisieren sollen? Lisa wollte damit eigentlich ein Zeitloch zeigen.

Ansonsten sehen Lisas Zeichnungen, die in ihrer Freizeit entstehen, ungefähr so aus (Bild 3, Bild 4). Im Kunstunterricht darf sie ihre Stilistik nicht anwenden, denn sie entspricht nicht den Anforderungen der Lehrerin. Und das nennt man Kunstunterricht?

Warum fehlt es den Lehrern so schwer, das Potenzial ihrer Schüler anzuerkennen und zu fördern? Kinder schreien doch danach, erhört und akzeptiert, anstatt in die Schranken gewiesen zu werden.

Was sagt ihr dazu?

https://schauerfee.de/wp-content/uploads/2017/05/20170525_115110_1495706017970-e1495708594659.jpg

https://schauerfee.de/wp-content/uploads/2017/05/20170515_112548_1495706018041-e1495708619491.jpg

https://schauerfee.de/wp-content/uploads/2017/05/20170525_115131_1495706017887-e1495708640687.jpg

https://schauerfee.de/wp-content/uploads/2017/05/20170525_115149_1495706017684-e1495708660756.jpg

Schule

https://www.youtube.com/watch?v=kQjtK32mGJQ

Anzeige: