Leben um zu arbeiten

Arbeit sollte nicht in erster Linie dazu da sein das Überleben zu sichern, sondern geistiges und körperliches Wohlbefinden pflegen und steigern, bei Gewährleistung eines davon unabhängigen "Überlebenkönnens", das die postulierte Menschenwürde ja eigendlich schon obligatorisch in Auftrag gibt. Weg von dem Erpressermodell, das dir die Pistole auf die Brust setzt und deinen Entscheidungsfreiraum dadurch maßgeblich einschränkt. Egal was du in der sog. "freien" Wirtschaft vorhast, die Konsequenzen könnten bitter sein, wenn du Pech hast. Und je progressiver dein Vorgehen, desto mehr spielst du russisches Roulette mit deiner Zukunft. Hat ja auch etwas Verwegenes. Ohne seinen Arsch zu riskieren, kann man hinterher nicht dastehen wie der große Held, der es unter solchen Voraussetzungen zu etwas gebracht hat. Gleichzeitig gibt man denen, die es zu etwas gebracht haben, oder deren Vorgänger es einst zu etwas brachten, einen Hebel in die Hand, "die da unten" effektiv auf Distanz zu halten. Die Firewall der Wohlhabenden ist das Haifischbecken der Arbeitswelt. Die Erwerbstätigen haben die Hände voll mit "Überlebenmüssen", also genug damit zu tun, dass die Eisschollen, auf denen sie treiben, nicht dahinschmelzen. Im Interesse der Reichen ist es hingegen, diese Schollen so klein wie möglich zu halten, und das drückt sich aus in der Art und Weise, wie wir zunehmend Arbeit vorgeschrieben bekommen und leben. Würde man den vielen "normalen" Arbeitern und Angestellten da unten nämlich Luft zum Atmen lassen, könnten am Ende zu viele von ihnen den "Auserwählten" da oben auf den Pelz rücken. Dann müsste man ja das, was den "Auserwählten" als solchen auszeichnet, nämlich das schönere Leben, mit jenen teilen. Und das verbietet schon die Eitelkeit dieser "Kaste". Man will nicht mit anderen teilen, weil man dann selbst an Lebensqualität eventuell verlöre, sondern weil sich auch das Auserwähltsein alleine dadurch definiert, dass es das andere, das Ärmere und das Gescheiterte, bzw. Erfolglose gibt. Der Reiche bangt nicht nur darum, vom schönen Leben ein bisschen abgeben zu müssen, er fürchtet den Statusverlust, der ihm den Nimbus des Besonderen, des Auserwähltseins nimmt. Selbst wenn es möglich wäre, dass es allen gut ginge, ist es gerade das, was er zu verhindern sucht. Das Sahnehäubchen des ökonomischen Erfolgs ist nicht alleine der Triumpf, besagtem "Haifischbecken" entstiegen zu sein, es ist das Ergötzen an dem, was einen von da ab vom Rest unterscheidet. Das gute Fressen im Angesicht der Überlebenskünstler schmeckt vermutlich gleich nochmal so gut. Wenn ich manchmal an einem freien Tag relativ früh schon in einem "Beck" sitze und den gestressten Arbeitern und Angestellten beim gehetzten Einkauf auf dem Weg zur Arbeit zusehe, schmeckt selbst mir mein Kaffee doppelt bis dreimal so gut und die Hörnchen knacken besonders köstlich. Da geht's doch schon los! ;)

Viele Klischees und Schwarzweißmalerei. Es ist Sonntag.

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