Leben und Schreiben auf St. Pauli

Samstagabend, mitten in der Schanze. Feststellung: Ein Ort, an dem das Leben keine Gefangenen macht, ist einerseits der beste, andererseits der mieseste Ort zum Schreiben. Einerseits will man rausgehen, sich auflösen und alles aufsaugen, was die neue Nachbarschaft zu erzählen hat, doch die Deadlines sitzen im Nacken.

Sommer, ein Straßenfest, und im Hintergrund die Stimmungsansagen der Karussellbetreiber. „Hey (hey hey hey)... noch eine Runde!“ Direkt unterm Fenster hört man die Musik und das Gelächter und sieht vage, bunte Lichter hinter dem Gebüsch tanzen, gönnt sich ein kleines Bier zur Filmplanung, wäre aber viel lieber draußen in der lauten Nacht, die noch viel Neues zu bieten hat. Nach einem grauen Regentag, der am Ende überraschend aufklarte, wurden alle aus den Häusern in die Stadt getrieben. Und wer weiß schon, was man verpasst?

Die Ablenkung ist groß und die Konzentration auf „das Wesentliche“ fällt schwer. Denn das Wesentliche scheint in Wahrheit draußen zu sein. Und das ist, zum anderen, der Grund, warum so ein Ort dann doch der richtige ist. Alles, was man zu Schreiben braucht, liegt hier auf der Straße. Es muss nur mal jemand kommen und es aufsammeln, in einer ruhigen Minute.

Schreiben

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