"LIFE" (2017)

Als ich dem Trailer in der YouTube-Dauerberieselung ausgesetzt war kam ich eigentlich schon früh zu dem Entschluss mir den Streifen nicht zu geben. Erstens erschien mir das zu Grunde liegende Konzept alles andere als originell und dann machen mich sterile CGI-Kreationen nicht sonderlich an. Aber was soll man machen. Freunde wollten da rein und ich etwas mit Freunden unternehmen. Na schön. Dann halt "Life" im Kino.

Und zunächst war "Life" ganau das, was der Trailer versprach. Ein technisch gut gemachtes, mit brauchbaren Darstellern garniertes, klinisch sauberes, wie mittelprächtiges Horrorabenteuer im Weltall, das mich wehmütig an "Alien" und "The Thing" denken ließ. Und es erinnerte mich mal wieder daran, wie sehr mich pathetische Filmmusik nervt. Irgendwie mag ich es nicht, wenn optisch Großes in musikalischem Schmalz ertränkt wird. Ich finde es, warum auch immer, schicker, wenn optisches Protzwerk mit einem minimalistischen, effektiven Score ausgestattet ist und umgekehrt der kleine Indy-Streifen von nebenan auch mal ein großes Orchester auffährt. Begründen kann ich das nicht so recht. Irgendwo ist zuviel bei mir einfach zuviel vermutlich. Und nicht jeder ist ein James Horner. Aber wenn man das Ende betrachtet, steckt dahinter vielleicht ja sogar Methode.

Ich werde das Finale jetzt gleich mehr oder weniger spoilern. Also wer das Werk noch sehen will, sprenge sich nun aus dem Orbit!



*SPOILER* SPOILER*SPOILER*

Da dies kein Review ist spare ich mir, wie bisher auch, eine Schilderung der Geschehnisse im Einzelnen. Ich wende mich an diejenigen, die den Film bereits gesehen haben und deren Interpretation des Ausgangs mich interessieren würde.

Im Gegensatz zu meinen Freunden bin ich der Meinung, dass David (Jake Gyllenhaal) das Alien absichtlich zur Erde gebracht hat. Zum einen gibt er sich zuvor des Öfteren leicht misanthrop, wenn er beispielsweise von den acht Milliarden "Bekloppten" auf der Erde spricht, in deren Nähe er gar nichtmehr sein möchte und ihnen sogar eine Vesrstrahlung durch einen zu langen Aufenthalt auf der ISS vorzieht. Zum anderen zeigt er ab und an leicht psychotische Züge. Am Schluss lebt er noch, dabei machte der hyperaktive "Zellklops" mit allen anderen stets extrem kurzen Prozess. Ganz so als bestünde zwischen ihm und dem Ding eine Art Nichtangriffspakt bei Wahrung der jeweiligen Interessen. Das Ding kann überleben und er bekommt vermutlich seine Apokalypse. Dass er die Fischer, die seine treibende Kapsel im Meer finden, davor warnt sie zu öffnen, erscheint nur auf den ersten Blick als Warnung vor der großen Gefahr. Bei genauerer Betrachtung will er seinen "Verbündeten" vermutlich aber eher vor erstem Schaden bewahren? Weil wie wir am Anfang von "Life" lernen, benötigt der Organismus eine urzeitlichere Zusammensetzung der Atmosphäre, um zu existieren. Wenn ich mich recht entsinne. Doch eventuell lege ich da zuviel hinein und irre mich, kann gut sein.

Jedenfalls macht der grimmige Schluss aus dem Film dann doch einen ganz brauchbaren Spaß, so von hinten durch die Brust geschossen quasi, der mich schließlich durchaus wohlgesonnen und gut gelaunt in die Nacht entließ. Und die pathetische Helden-Musik wäre nicht nur deswegen eine wohl kalkulierte Farce, denn eigentlich handelt es sich bei der Crew zu jeder Zeit um kopflose Individuen, die einen dummen Fehler nach dem anderen machen, indem sie unter anderem Sicherheitsvorschriften missachten, und die drohende Apokalypse erst auf den Weg bringen, also so einen Pathos gar nicht verdienen. Jetzt habe ich große Lust mal wieder Carpenters "Ding" zu gucken. Und das klingt mal echt unanständig. Ich steh' dazu!

Science Fiction, Horrorfilm, Alien, The Thing, Apokalypse

https://youtu.be/cuA-xqBw4jE