Macho Man 2 (2017)

Nun war es soweit. "Machon Man 2" von Davide Grisolia! Das Trashfilm-Phänomen meiner Heimat hat seine Fortsetzung. Und ich litt Rotz und Wasser.

Ich kann jetzt nicht behaupten, dass mir Teil 2 gefallen hat. Auch nicht aus Trash-Gesichtspunkten. Den ersten "MM" finde ich ziemlich geil. Und eigentlich ist der Neue ja auch nicht besser, hö hö. Eher das Gegenteil. Das wäre im Grunde nichtmal so verkehrt. Im Prinzip.

Damals, in den 80ern, als "MM" bei uns anlief, ganz ehrlich, ich kann mir nicht vorstellen, dass es da Zuschauern recht viel anders erging, als mir heute. Als das Ding noch keine Schublade verpasst bekommen hatte und das Publikum irgendetwas erwartete, das wahrscheinlich Meilen weit weg von dem lag, was sich dann offenbarte. Erst danach konnte daraus werden, was "Macho Man" heute ist. Eine nostalgische Gurken-Wasserstoffbombe, die zumindest einheimische Augen tränen lässt.

Im Prinzip ist Grisolias Fortsetzung wieder das. Allerdings fehlen die Filetstücke aus dem Absurditätenschrank weitgehend schätze ich, die das Original obendrein zu kredenzen hatte. Die damalige Mode zum Beispiel! Das machte aus dem wackeligen Rest dann etwas sehr Unterhaltsames im Zusammenwirken. Trotzdem hätte es im aktuellen Fall für einen kuriosen, fränkischen Actionklopper vielleicht noch gereicht, wenn nicht einige typische Vergehen begangen worden wären, die jungen Regisseuren leider so häufig passieren.

Erstens, ein Film mit so wenig Inhalt braucht keine 110 Minuten lang sein. Die allermeisten Filme sind mit 90 Minuten bestens bedient. Selbst 70 Minuten, die auch noch als Spielfilmlänge durchgehen, können perfekte, zufriedenstellende Unterhaltung bieten. Alles, was die 90-Minuten-Schwelle überschreitet, sollte Könnern überlassen bleiben.

Zweitens Filmmusik. Ich hatte irgendwann Kopfschmerzen. Bis auf ganz wenige, rare Momente wird "MM2" mit treibenden Soundtracks regelrecht zugekleistert. Ständig ist die Spannung damit am Anschlag. Zumindest soll sie das wohl sein. Aber nach zehn Minuten Dauerbeschallung werden da zumindest bei mir das Empfinden taub und ich gleichmütig. Gute Musik setzt Pausen, um wieder Schwung zu holen. Ich habe mir oft gedacht, warum ist da jetzt Musik? Irgendwelche Dialogszenen, die gerade ohne musikalische Begleitung viel besser gewirkt hätten. Stille ist manchmal der beste Score. Und dann BÄM! setzt die Musik wieder ein. Klar, es soll ja ein im besten Sinne schlechter Film sein. Aber wenn er unterhalten soll, darf er eines nicht: Nerven. Ich will lachen. Nicht fluchen.

Trotzdem Respekt an Davide, dass er das durchgezogen hat. Es war schon Schönes dabei. Althof zum Beispiel, der mit Herzblut seinen Rachefeldzug beschreitet und eine bessere Figur macht, als vor 30 Jahren. Finde ich. Der auch meine ich den schlummernden Witz des Ganzen verstanden hat und tapfer liefert, als gäbe es kein Morgen. Er rettet Vieles mit seiner spürbaren Liebe zum Projekt. Der eine oder andere Darsteller ist ansatzweise ebenfalls nicht so verkehrt, aber das Drehbuch gibt ihnen leider nicht viel Brauchbares zu sagen oder zu tun.

Wenn ich etwas zu sagen hätte und nicht selbst ein hoffnungsloser Trashfilm-Verbrecher wäre, ich würde dem Regisseur dringend raten, aus dieser Fassung mindestens 30 Minuten zu kappen. Ganze Sequenzen, aber auch viele einzelne Einstellungen würde ich kürzen, damit da mehr "Zuch" reinkommt und das Timing nicht ständig absäuft. Ein fähiger Cutter könnte da wahrscheinlich sogar noch etwas ganz Brauchbares daraus schnitzen. Viele Regisseure, gerade im Nachwuchsbereich, sollten ihre Filme nicht selbst schneiden. Ihnen fehlt in der Regel der Abstand und sie neigen dazu, jede Einstellung zu lieben und im Film haben zu wollen. Das führt dann zu schwer "adipösen" Ergebnissen. Wie hier. Und er sollte den Score deutlich reduzieren und gezielter einsetzen, damit der wieder besser knallt. Soll ja keine Fahrstuhlmusik sein.

Wenn ich mir die Handlung von "MM2" so betrachte, dann behaupte ich mal dreist, dass 30 Minuten Lauflänge angemessen gewesen wäre. Es ist ja ein sehr geradliniger Film, in dem die Guten die Bösen fortwährend jagen. Keine Überraschungen, keine Twists, kaum Nebenschauplätze. Nettes Gekloppe dann und wann. Das hätte alles auch in 30 Minuten bestens gepasst.

Aber wer weiß. Vielleicht bin ich tatsächlich nur vor den Kopf gestoßen, wie damals die Leute, die bei "Macho Man" zunächst einen guten, fränkischen Actionfilm erwarteten. Und ich erwartete heute wohl mehr eine gelungene Parodie auf den ersten Film im Gewand seiner Fortsetzung. Eventuell gelingt es mir irgendwann, all die groben Schnitzer, die mich heute am Spaß weitgehend hinderten, dann doch noch zu würdigen. Eines schönen Tages. Vielleicht muss das Machwerk ja reifen, wie sein Vorgänger auch? Denn schlecht sind sie ja beide. Ziemlich. Und darum geht's doch?

Action, Trash, Peter Althof, RENÉ WELLER

https://youtu.be/1baC-rQi19I