Mehr Leistung, besser leben?

Das, was Asaslilbro in seinem Comment schreibt, ist leider allzu wahr und ich zumindest kann dieses Haifischbecken täglich an meinem Arbeitsplatz auch im kleinen erleben. Den Chefs ist nur am Umsatz gelegen, den sie mit jedem an die Mitarbeiter gerichteten Wort (grundsätzlich negative Kritik nach dem Motto „Woran ihr noch arbeiten solltet...“) stets vorantreiben wollen. Wenn die Mitarbeiter ihr Verhalten dann verbessern, gibt es grundsätzlich keine positive Erwähnung beispielweise in Form von Lob, immer findet sich noch etwas, das nicht gut genug gemacht wird.

Die festangestellten Mitarbeiter buckeln vor den Chefs und versuchen, mit noch mehr Leistung ihre Position gegenüber den Aushilfskräften zu sichern. Diese sind natürlich hauptsächlich an allem Schuld, was im Laden nicht korrekt (vor allem: schnell genug) läuft oder erledigt wird. Ständiges Gesprächsthema an meinem Arbeitsplatz ist, wer von den Aushilfen wieder was nicht gemacht hat, wer „zu faul“ ist und wohl als nächstes raus geschmissen wird.

Bei den Aushifen schielt jeder auf jeden und mancher versucht, durch mehr Leistung die Chefs und Festangestellten zu besänftigen. Wobei zusätzliche Leistung natürlich weder durch mehr Geld noch durch Lob gewürdigt wird. Wenn man Glück hat, gibt es dann keine negative Kritik, aber meist findet sich doch irgendwas, an dem man „noch arbeiten sollte“. Einige der Aushilfen haben das inzwischen erkannt, die Ohren auf Durchzug gestellt und ihren Einsatz auf das allernötigste zurückgefahren, was ich unter diesen unmotivierenden Umständen schon verständlich finde. Für die Festangestellten ist dieses „gesündere“ Verhalten natürlich nicht möglich, weil sie viel abhängiger sind von ihren Jobs und ja auch schon Einiges an Leistung hineingesteckt haben, um ihre jetztige Position zu erlangen.

Es ist kein schönes Arbeitsklima, aber ich denke, es ist an vielen anderen Arbeitsplätzen wohl auch ähnlich, weil unsere Gesellschaft eben so gestrickt ist. Alles baut auf Leistung, wobei mehr Leistung nicht mal heißt, mehr Geld oder mehr Anerkennung, sondern höchstens weniger „Anschiß“ und weniger Angst, raus zu fliegen.

In diesem Sinne wünsche ich allen hier Lesenden ein schönes Wochenende mit viel Leben anstatt viel Arbeit. Der Montag kommt noch früh genug!

Grübeln, Sinnieren und Tagträumen...

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