Never mind the haters - mit Kritik umgehen für Autor*innen

Stimmt, es ist nicht so einfach, mit Kritik umzugehen. Mit destruktiver sowieso, da gebe ich Schauerfee recht: Nashornhaut ist hier der emotionale Regenmantel der Wahl. Die muss man sich allerdings erst wachsen lassen, und das dauert.

Zum Glück war ich in meinem "Schriftstellerleben" noch nicht oft mit richtigen Hatern konfrontiert, Feedback wie das von Alla geschilderte ist mir bis jetzt erst einmal untergekommen (das ging auch richtig unter die Gürtellinie). Allerdings gab es bei einer meiner Absinth-Lesungen mal einen Besoffski, der sich wohl im Laden geirrt hatte und meinte, es wäre eine coole Idee, die wundervolle Band „Issmich“ mit groben Worten zu beleidigen, sowie einem anderen Autor während dessen Leseperformance lautstark zu verstehen zu geben, dass er ihn langweilig findet. Ich habe den Typen dann kurzerhand rausgeschmissen – eine neue, irgendwie auch gute Erfahrung! (Erstaunlicherweise ist er auch tatsächlich widerstandslos abgezogen und hat nicht noch sein Bier in die Anlage gekippt oder so, ist ja auch keine Selbstverständlichkeit.)

Ansonsten gibt es natürlich immer wieder Leute, die meinen Texten mit mehr oder weniger Desinteresse oder Unverständnis begegnen, meine Mutter zum Beispiel. Das macht mir aber nicht wirklich was aus. Schließlich weiß ich ja, dass Horrorliteratur einfach auch nicht jedermannfraus Tasse Tee ist. Und meine Sachen gefallen auch nicht jedem Horrorfan, weil es bei mir kaum klassische Elemente wie Splatter, Monsterkraken, Zombies usw. gibt und das Grauen eher still und heimtückisch über den Weg gekrochen kommt. Na ja, wenn sich demnächst mal die ersten Leute bei Amazon oder so negativ auskübeln (damit muss man einfach rechnen!), bin ich gespannt, wie ich damit umgehen werde.

Geplant ist: Mich kurz aufregen, dann überprüfen, ob in dem Kommentar nicht vielleicht doch irgendwas dran ist, das mich irgendwie weiterbringt, und wenn nicht: Schwamm drüber. Man darf als werdende/r Autor/in nicht vergessen: Leute wie Stephen King oder J.K. Rowling haben auch ihre Hater, darunter Schwergewichte wie Donald Trump oder namhafte Vertreter der katholischen Kirche. Ihrem Erfolg hat es keinen Abbruch getan, im Gegenteil.

Und dann ist da noch die konstruktive Kritik. Damit umzugehen, fand ich am Anfang auch etwas haarig. Denn auch konstruktive Kritik fühlt sich, im ersten Moment, nicht gut an und zieht meist auch noch einiges an Arbeit nach sich (nerv, ha ha). Sie ist vielleicht ein bisschen zu vergleichen mit einem Zahnarztbesuch. Im Gegensatz zu Hate-Kommentaren ist sie aber auch unverzichtbar – es sei denn, man hält sich für den perfekten Schriftsteller und Lektor in Personalunion. Und ernsthaft, von jemandem, der so denkt, will ich echt kein Buch lesen!

Tja ja, das alte Lied: Ohne konstruktive Kritik kommt man nicht weiter, auch wenn sie erst mal nervt und manchmal auch weh tun kann, gerade, wenn sie z.B. von Freund*innen kommt. Liebe Kolleg*innen, Ihr solltet Euch wohl dran gewöhnen – denn was aus Schreiber*innenperspektive erst mal rund aussieht, kann von außen einfach ganz anders wirken. Wenn man veröffentlichen will, ist man früher oder später genötigt, sich Gedanken über die Außenwahrnehmung zu machen. Dabei helfen in der Überarbeitungsphase Testleser*innen. Aber welche?

Wenn Ihr für Eure Sachen welche sucht (ich habe glücklicherweise ein paar ganz wunderbare, die sich regelmäßig opfern - tausend Dank an dieser Stelle!), achtet darauf, dass von ihnen auch „verwertbares“ Feedback zu erwarten ist, das Euch dabei hilft, Euren Text zu verbessern.

Wählt also niemanden aus, der Euch z.B. aus Nettigkeit nur Honig um den Bart schmiert und auch niemanden, der sich für das Genre, in dem Ihr schreibt, nicht erwärmen kann. Versucht jemanden zu finden, der gerne liest, ein bisschen fit im Sprachlichen ist, der es gut mit Euch meint, der aber auch ehrlich ist und aktiv daran mitwirken will, den Text zu verbessern, wo es Verbesserung bedarf. Von „alles super!“ habt Ihr nichts, wenn der Text in Wahrheit noch viel Luft nach oben hat. Der Teufel steckt ja oft im Detail, und manchmal ist schon mit ein bisschen Feilerei viel an Qualität gewonnen.

Ein Text ist, bis er veröffentlicht ist, für mich nur ein Entwurf. Und es liegt in der Natur eines Entwurfes, dass er sich ständig verändert. Die erste Version muss nicht perfekt sein, und auch die zweite nicht. Das waren zumindest für mich Erkenntnisse, die mir geholfen haben, mit Kritik umzugehen, sie nicht persönlich zu nehmen, sondern als ein nützliches Werkzeug, um aus Eurem Text das Beste rauszuholen.

Schreiben, Kritik

https://schauerfee.de/kramkiste/die-haut-des-autors/

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