#nippelstatthetze -Titten raus gegen Rassismus (explicit lyrics)

Heute hätte ich, entgegen meiner sonstigen Angewohnheiten, echt fast 'was bei Facebook kommentiert. Grund: Verzweiflung an der sogenannten Menschheit. Auslöser: Die bislang mit über 45 Tausend Likes und über 28 Tausend Shares gewürdigte Fotoaktion eines Berliner Fotografen namens Olli Waldhauer. Eigentlich nichts weiter als ein Bildchen mit einer vollbusigen, nur mit Höschen bekleideten Frau. Davor ein Typ, der ein Schild hält, auf dem steht: „Kaufft nicht bei Kanaken“. Dazu der Titel: „Eine dieser Personen verstößt gegen die Regeln von Facebook“ und dazu der geistreiche Hashtag #nippelstatthetze.

Okay, an die Devise „Normschöne Brüste werten jede politische Botschaft auf“ hab ich bei Femen schon nicht so richtig geglaubt, und die Aktion von Waldhauer fand ich persönlich v.a. deshalb eher plump als "genial", weil mir der Hintergedanke von „Ey, mach ma was mit geilen Titten und Rassismus, das geht voll viral“ viel zu offensichtlich ist, aber da gibt’s sicher verschiedene Meinungen.

Das eigentlich Abartige an diesem Bild waren mal wieder die (seitens des Autors erwartbaren und zumindest hinsichtlich ihrer Masse sicher auch erhofften) Facebook-Kommentare daneben – die wenigsten übrigens betrafen überraschenderweise die politische Intention (hä?) des Bildchens. Ich habe mich trotz Fingerzuckungen dann doch dagegen entschieden, mich in die Facebook-„Diskussion“ einzuklinken. Einfach, weil ich keinen Bock auf den „prüde, männerhassende Emanze, hast ja wahrscheinlich selber keine Titten zum Zeigen“-Bullshitstorm hatte, der dann mit Sicherheit gefolgt wäre.*

Ich könnte jetzt lange rhabarbern über die (in dem Bild sehr deutliche) Objektivierung des weiblichen Körpers, systematische Reduzierung auf bestimmte Geschlechtsmerkmale usw. Aber ich nutze den shitstormgeschützen Raum von whicee lieber dazu, um ein paar dieser Facebook-Kommentare mal im O-Ton für sich sprechen zu lassen:

„Ich sehe auch gern Nippel. Mehr davon, bitte.“
„Silikon macht's möglich...“
„Nicht schlecht. 75 F nehme ich an.“
„Locker 75 G.“
„Ja, kann sie im Alter als Kniewärmer nutzen. Unheimlich sexy so ein Gehänge.“
„Das einzige, was hier vielleicht diskriminiert wird, sind die flachbrüstigen :D“
„Was ist an Titten so verkehrt??? Hier damit ihr Frauen auch was zum aufgeilen habt. :D [darunter ein Foto von aufgefächerten Geldscheinen und wahrscheinlich teuren Highheels].“
„Ich finde sogar das die Beschreibung 'schöner Busen' dieses Meisterwerk der genetischen Ergonomie nicht ausreichend huldigt. 'Geile Titten' hingegen lässt kein Missverständnis entstehen und weißt auf die 100 % Zufriedenheit des literarischen Verfassers hin. Sozusagen das Prädikat wertvoll für Möpse.“
„Konzentration ist, wenn … oh – Titten!“ [Busenbild.]
„Das ist anspruchsvolle Aktfotografie, da wird nicht gewixt, sondern inspiriert onaniert :D“
„Würde eine #muschistatthetze kampagne das ganze nicht noch weiter befeuern??“

Und hier mein ungeschlagener Favorit:
„Frauen gehn shoppen um gut aus zusehn und ein hinguger zu sein, frauen stehn ehwigkeiten im bad um eben das alles noch zu unterstreichen und weis got(t) die weiblichkeit noch alles anstellt um schönn zu sein. Und dan kommt einer daher der gerne brüsste sieht weil (warscheinlich von natur aus gegebenenes sexualmerkmal?) Und dementsprechen sagt hey geilooo und plötzlich is er bösse ...“

So sieht's aus. Diese Leute (männlich wie weiblich übrigens) leben mitten unter uns. Sie sind viele und haben keinerlei Hemmungen, ihre durch Mario Barth und die Pornoindustrie geformten Ansichten über Frauen (= 2 Brüste , 1 Muschi, unten dran Schuhe) in die Welt hinaus zu brüllen. Danke ausnahmsweise, Mark Zuckerberg, dass Sie uns durch Ihr Nacktbilderverbot diese Kommentare normalerweise ersparen. Wenn ich jedenfalls Brüste sehen wollen würde, dann doch lieber auf Pornhub, da gibt’s wenigstens keine Kommentare dazu.

Und ja, ich möchte all diesen Kommentator*innen am liebsten ins Gesicht schreien: „Bitte, bitte, kriecht einfach zurück in Eure Höhlen, genau dahin, wo diese ganzen ewiggestrigen Nicht-bei-Kanaken-Käufer*innen auch alle waren, bevor das Internet erfunden wurde!“

Und nein, lieber Herr Berlin-Hipster-Fotokünstler Waldhauer: Sexismus ist nicht cooler als Rassismus, auch wenn er sich bestimmt besser verkauft, und wenn Sie sich auf die vielsagenden High-Five-endlich-Titten-bei-Facebook-Kommentare, die Ihnen Ihre so clever konzipierte Aktion beschert hat, jetzt einen... einbilden, dann herzlichen Glückwunsch. Sie waren heute ein König. Prost und genießen Sie es, bevor Ihnen die flachbrüstigen Emanzen die Bude abfackeln.

Und jede/r, die/ der nach dem oben Zitierten (nur ein Bruchteil des tatsächlichen Elends, das sich neben diesem Foto abspielte!!) immer noch glaubt, Sexismus wäre passé oder nur noch ein Gespenst der Netzanonymität, die/ der kann gerne mal mit mir 'ne Runde über den Kiez drehen, ich beweise innerhalb von zehn Minuten das Gegenteil. Und dafür muss ich noch nicht mal meine Nippel auspacken. Amen.

*Wer sich an Ort und Stelle in die Richtung geäußert hat, wurde von der „Tittääään!!“-Fraktion im entsprechenden Thread schon ähnlich gegeißelt, z.B. mit Kommentaren wie „weißt du was halt doch einfach dein maul du dämliche emanze so frauen wie dich regen mich am meisten auf“ [sic!].

Sexismus

http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Netzwelt/d/7539632/genialer-protest-gegen-facebook.html