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Permanent Make-Up für Halbweiche

Achtung! Es folgt wie immer nur meine Meinung. Und es ist nichtmal Sonntag.

Hand aufs Herz, ich hatte auch schonmal vorgehabt, mir ein Tattoo stechen zu lassen. Wer nicht? Allerdings mehr so für mich und nicht für jedermann sichtbar. Doch das ist lange her und wie Jessi bereits angemerkt hat, ist man heute eher "badass", ohne. Wobei es bei mir wie gesagt Wurst gewesen wäre, da ich eh nicht als Litfassäule für Tattoo-Kunst herumrennen wollte. So gesehen mache ich es vielleicht ja noch. Die Lust ist jedoch verraucht.

Früher war das die Kriegsbemalung derer, die sich für hart hielten und als Statment nach außen kehrten. Man zeigte, dass man sich irgendwelchen "wilderen" Horden zurechnete, eine Lebensart pflegte, die stark individualistisch geprägt war, zumindest als angestrebtes Ideal. "Verarsch mich nicht!" stand da quasi zwischen den Einkerbungen oder "Ich gebe einen Scheiß darauf, was andere von mir denken!" Es war nicht nur ein Schmerzopfer, das man gewillt war zu erbringen, man lud große Teile des Gesellschaft dazu ein, einen direkt zu verstoßen. Und das beruhte dann mehr oder weniger auf Gegenseitigkeit. Es war schon ein bedeutender Schritt. Eine tatsächliche Transformation des Körpers.

Heute ist es nurmehr aufwendigeres Permanent-Makeup. Eine Modeerscheinung, die nicht wenige wohl irgendwann bereuen werden. Wer sich mit Sechzehn "DJ Bobo" quer über den Bauch hat stechen lassen wird vermutlich mit Vierzig kein Schwimmbad mehr aufsuchen oder viel Geld ausgeben für den Tintenkiller aus der Laserkanone. Was auf jungen Körpern in extensiver Form noch cool und sexy aussehen mag, verwandelt sich später in verzerrtes Gekrakel, das mehr an extremen Krampfadernbefall erinnert. Leider verschwinden Tattoos nicht mit dem Haupthaar, wenn sich die zweite Lebenshälfte einläutet. Weil das ist ja der Punkt. Es ist ein Opfer für den Gott des Selbst, ein praktisch endgültiger Schritt. Doch die Jugend ist sich dessen nicht wirklich bewusst fürchte ich. Weil so viele es machen.

Ich finde nur zwei Arten von Tattoos cool. Einmal die, bei der wirklich weite Teile der Hautoberfläche damit tapeziert sind. Weil das dann Transformation ist, unmissverständlich. Zumindest ab einem gewissen Punkt. Oder die verborgene Variante, was dann eigentlich nicht unter Tattoo fällt, sondern sowas wie Reizwäsche ist, die man zur eigenen Erbauung heimlich trägt. Alles dazwischen ist für mich Gehabe von Leuten, die etwas vorgeben zu sein, was sie meist nicht sind. Ich meine, kommt schon. Bankangestellte? Arzthelferinnen? Krankenschwestern? Immobilienhändler? Ernsthaft?

Piraten! Alles darunter (oder darüber?) sollte sich besser Wassertattoos aus Brausepulver-Tütchen auf die Arme ziehen oder was mit dem Kugelschreiber oder Edding aufmalen.

Was mich vor allem ziemlich nervt sind sog. Tribals. Weil die sind für Gockel. Sie haben keine Aussage und sollen lediglich "verschönern". Kein erhöhtes Risiko. Kein Versuch zu schocken. Lediglich ein Ausdruck der selbstempfundenen "Sexyness" der selbstverliebten Hähne. Ein "Ich bin endgeil, also fickt mich!" in der direkten Übersetzung.

Ich finde altmodische Tattoos ja gut. Ein rotes Herz mit Pfeil, in dem "Mama" steht zum Beispiel. Oder das klassische Segelschiff. Oder Messer. Wie früher halt, als Tattoos noch Verwandlung bedeuteten und weit weg waren vom Fotorealismus dieser Tage. Richtig geile, krude Dinger mit eindeutiger Bedeutung und Aussage. Keine kryptische Buchstabensuppe aus Fernost. Oder die Antlitze der Plagen, die einen später in ein Altenheim stopfen und dann niemehr gesehen waren. Noch besser das des Lebensabschnittsgefährten, der sich schon mit der Nachbarschaft in den Laken wälzt, während die Tinte im und das Blut auf dem Arm noch nicht trocken sind.

Tattoos machen Sinn, wenn sie ätzen, als Teil oder Folge einer einschneidenden Erfahrung oder Veränderung. Als reine Zierde zur Vortäuschung falscher Tatsachen finde ich sie doof. Richtige Tatoos sind erzählende Narben des Lebens. Sie labern keinen hochgestochenen Scheiß oder singen Oden an den Beschrifteten. Knast-Tatoos, mit rostigem Löffelstumpf geschnitzt!

Tattoos, Tribals, Körperschmuck, Kriegsbemalung