Plädoyer für den "Schrott"

Ich bin Junkie. Wenn es um Kunst geht. Naja, nicht ausschließlich. Aber meine Seele bringt vorwiegend selbstverliebter Tand zum Klingen. Ich bevorzugte schon als Kind sog. Müll, der, außer zu unterhalten, angeblich zu nichts nütze gewesen sein soll. Wenn jemand von der "Sendung mit der Maus" schwärmt, stellen sich mir die Nackenhaare auf. Dabei habe ich das als Kind auch viel gekuckt. Und eigentlich finde ich die "Maus" ja auch okay. Aber nicht, wenn sie ins Feld geführt wird, um andere Sendungen zu diffamieren. Vor allem die, die ich als Kind sehr viel lieber mochte. "Tom&Jerry" zum Beispiel. "Warner Bros."-Cartoons. "Captain Future". "Muppets". "Sesamstraße". Oder alle möglichen krachigen japanischen Mecha-Cartoons, die mir regelmäßig im Italienurlaub um die Ohren flogen und einfach cool waren.

Klar mag der pädagogische Nutzen hier vielleicht gering gewesen sein, wobei so sicher bin ich mir da auch nicht immer in jedem Fall. Nur weil etwas laut ist und gerne auf die Kacke haut, ist es nicht zwangsläufig ohne Inhalt. Aber es ist wohl nicht an erster Stelle Intention des "Junks" zu belehren. Und das macht ihn mir schonmal sympathisch. Es lauert keine übergeordnete Agenda hinter einer halbgaren Ausführung, kein Trick, um junge Gemüter zu formen und in den jeweiligen Zeitgeist zu pressen. "Junk" ist sich weitgehend selbst genug. Er vesucht Meisterschaft in Form und Schönheit zu erlangen, ohne erzieherischen Hintergedanken. In erster Linie, um schlicht Profit daraus zu schlagen. Die Künstler sind ihrem Handwerk verpflichtet und schaffen das Bestmögliche in ihrem Vermögen. Allein um zu gefallen. Nicht um Weltanschauungen in wehrlose junge Köpfe zu kippen. Deswegen ist "pädagogisch Wertvolles" oft so blass und lahm im Vergleich. Der Mehrwert entschuldigt quasi die etwas tranige Ausführung. Ich finde das schade. Und dass es auch anders geht sieht man z.B. an Formaten wie der "Sesamstraße". Gibt's die eigentlich noch? Lehrreiches, locker flockig mittles genialem Puppenspiel vermittelt, ohne die Form zu verraten. Geistig Nahrhaftes ganz nebenbei. Wenn man dann wissen möchte, wie deutsche Pädagogen so ein gelungenes Konzept durch die "Hintertüre" penetrierten, kann man gleich eingeschaltet lassen und Samson und Tiffy, den mir aus unerfindlichen Gründen damals dazugemurksten deutschen Part der Sesamstraße, bewundern. Als Kind hinterfragt man ja selten etwas, aber dass das nicht wirklich dem Esprit der eigentlichen Sendung entsprach, merkte man. Ich habe bei Samson und Co. glaube ich kaum gelacht. Fand das jetzt nicht schrecklich, aber hängengeblieben ist davon nichts. Keine Ahnung, um was es da immer ging. Rückblickend wirkt das heute jedenfalls auf mich wie die geriatrische Abteilung für senile Handpuppen. Lahmarschig und ordentlich gewindelt.

Gewollt und nicht gekonnt ist eines. Erziehen aber hat für mich einen faden Beigeschmack, ist mir verdächtig. Ich bin da etwas gespalten. Einerseits, weil ich mich eben an die oft langweiligeren Formate mit "Pädagogen-Diplom" erinnere, zudem vermählt mit der damals üblichen Sonntags-Depression, weil der "bessere" Kram hauptsächlich Sonntags kam, und ich mich ob des dräuenden Wochenanfangs und nicht gemachter Hausaufgaben bereits mächtig grämte. Alles mit so einer generellen Attitüde kontrollierten Spaßes. Zu viel Spaß ist schließlich ungesund. Braucht einen Aufpasser. Ausgelassenheit muss am Pfeiler des Anstands festgezurrt sein und darf allenfalls als Lockstoff zu getarnten Inhalten von Wert dienen. Andererseits ist es ja nicht grundsätzlich verkehrt, jungen Leuten etwas beibringen zu wollen. Ich hab da nicht unbedingt was dagegen. Bin da nur misstrauisch. Reiner Unterhaltungskram hat für mich jedenfalls etwas Unschuldiges und seine pädagogische "Leere" wirkt auf mich wenigstens aufrichtig. Natürlich ist Gelungenes, das auch etwas zu sagen hat, toll. Aber dazu gehört in meinen Augen eben stets das Streben nach formaler Perfektion. Wenn schon im Fahrwasser zwielichtiger Menschenführung planschen, dann wenigstens mit maximaler Finesse. Angeblich gesundes Essen, das nicht schmeckt, kann man auch nur entsprechend ideologisierten Mäulern verkaufen.

Bei mir steht an etster Stelle jedenfalls das Handwerk. Es muss gut gemacht sein. Egal was es ist und was es will. Wobei selbst schlecht Gemachtes ab und an angemessen gut sein kann. Auch unfreiwillig. Dann darf Hintersinn und solides Ideenfundament gerne noch adeln. Gut Gemachtes ohne Sinn kann rocken. Es lässt Raum für eigene Projektionen. Gehaltvolles ohne gelungene Form ist jedoch mehr oder minder für den Arsch. Meine Meinung.

Trash, Kindersendungen

https://youtu.be/j40o9bDxeP0

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