Politik ist Opium fürs Volk

Sandras Frage aufgreifend, warum so viele, auch im Grunde nette Menschen, mit der AfD liebäugeln, lässt sich glaube ich dadurch zunächst ein wenig erklären, dass geschichtliches und politisches Bewusstsein grundsätzlich eher eine Nischen-Tugend ist, deren Inhalte bei den meisten Menschen, egal woher sie stammen, egal was sie schon erlebt haben mögen, nur geringfügig verfangen in ihrem Alltag. Da stillen News aus dem Politzirkus schon eher das platte Bedürfnis nach Ablenkung und Unterhaltung, als zu lohnenden Diskursen und nachhaltigen Einsichten zu führen fürchte ich. Ich selbst halte mich da auch mehr für davon schwer tangierbar, obschon es mich intetessiert. Doch allein Zeit ist bereits ein Problem. Mich intetessiert halt viel "Schrott". Der braucht auch Zuwendung.

Es ist prinzipiell leicht für Parteien aller Lager auf "Bauernfang" zu gehen. Alle tun es. Es reicht eine halbwegs moderate Verpackung. In die Schachtel kucken die wenigsten. Ängste und Sorgen lassen einen zudem nach rasch wirkenden Sedativa suchen. Eine dumpfe Ahnung davon zu besitzen, was tatsächlich in der Schachtel lauern könnte, reicht vielen nicht, um auf die beruhigende, oberflächliche Phrasen-Pille zu verzichten. Kann schon sein, dass die ein wenig "Nazi" sind, doch der rasche Blick auf deren Parolen verspricht zunächst Linderung. Muss ja nicht für immer sein. Alkohol ist ebenfalls nicht gesund, aber er hilft momentan und schnell, Symptome loszuwerden. Parteien, Politiker werden wohl zunehmend als temporäres Tool verstanden, nicht so sehr als potentiell tiefgreifende, mitunter langwierige Änderungen etablierende Gefahr. Wenn kein guter Hammer parat scheint ist es doch wohl voll okay zu versuchen den Nagel mit der Suppenschüssel in die Wand zu kloppen? Und wenn es laut klirrt und die Scherben tüchtig fliegen, dann bringt einer vielleicht endlich einen gescheiten Hammer daher!

Also so ein Mischmasch an Motiven. Ein wenig Angstbewältigung in einer Welt, die immer pluralistisch unübersichtlicher und subjektiv empfunden übergriffiger wird, so als müsste man wenigstens kurzfristig Feuer mit Feuer bekämpfen; Befriedigung von Rachegelüsten gegenüber alten etablierten Parteien, von denen man sich im Stich gelassen fühlt; und der Glaube und die Hoffnung, dass hinter einer noch so desolaten Fassade mit ihren simplen Lösungsversprechen vielleicht dann doch mit Talenten reich gesegnete "Underdogs" warten, die von vielen gehasst und verkannt die Welt eines Besseren belehren werden. Schon weil Neues immer irgendwie zieht und Althergebrachtes seinen Charme lange eingebüßt hat.

Die AfD ist im Inneren abgeschmackt und rückgewandt. Aber sie gibt sich frisch. Dass sie eine "Alternative" sein will, heuchelt bereits im Namen etwas von "Angebot" und "frischem Wind", der die miefigen Talare mal so richtig durchpusten soll. Letztlich ist Politik für die meisten Menschen halt auch nur Religionsersatz. Die Auseinandersetzung mit ihr soll Ähnliches leisten, nämlich das wärmende Feuer von Glaube und Hoffnung am Laufen halten. Und seit wann vertragen Glaube und Hoffnung Fakten und das Verstehen komplexer Zusammenhänge?

Wenn sich das Leben bedrohlicher und frustrierender gibt, dann wird der Ruf nach Heilsbringern fundamentalistischer. Den wenigsten Menschen ist bewusst, dass Politik nicht nur ein Mittel des Moments ist, sondern halt manchmal auch zum Holzsplitter werden kann, den man sich tief ins Fleisch reißt und der für eine schwere und langwierige Entzündung sorgt.

Afd

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