provokantes Experiment: Rassismus im Bus

Das neue Format "Quarks&Du“ des Fernsehsenders WDR3 brachte am Dienstag zum Auftakt ein interessantes
Sozial-Experiment: Rassismus und Diskriminierung im Bus.

Dienstag morgen in Essen: Ein Bus des ÖPNV wird präpariert. An den Sitzen werden amtlich aussehende Hinweisschilder und Aufkleber in mehreren Sprachen aufgebracht: „Ausländer und Asylbewerber benutzen bitte nur die hinteren Sitzreihen“ und „Diese Sitzplätze sind für Inhaber/innen eines gültigen deutschen Personalausweises reserviert“. Im Bus werden Kameras und Mikrofone versteckt. Ein paar Schauspieler werden in ihre Rollen eingewiesen.

Im Fahrbetrieb nehmen dann einige Fahrgäste die neue Sitzordnung einfach hin. Andere sind fassungslos, aber reagieren noch nicht.
Zwei Schauspielerinnen türkischer und afrikanischer Herkunft setzen sich sich auf Plätze für Deutsche. Ein Schauspieler gibt sich als Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe aus, spricht sie an und will die neue Sitzordnung durchsetzen. Das wiederholt sich mehrmals. Viele Fahrgäste sehen und hören weg, aber einige protestieren lautstark und schreiten auch ein. In etwa 80% der Situationen dauerte es nicht länger als eine Minute, bis sich Deutsche eingemischt haben. Rassismus haben die meisten Fahrgäste im Bus nicht akzeptiert. In dem Film wurde keine Szene gezeigt, in der deutsche Fahrgäste, die nicht Schauspieler waren, die neue Sitzordnung durchsetzen wollten. Das macht Hoffnung. Allerdings wissen wir nicht, wie sich Außenstehende in anderen, weniger spektakulären Situationen verhalten. Das Experiment ist zwar nicht repräsentativ, aber es scheint mir doch die aktuelle Lage in Deutschland wider zu spiegeln:

Die meisten Menschen schreiten nicht ein und gucken weg. Einige verteidigen die Menschenrechte vehement und stellen sich gegen die Diskriminierung. Nur wenige (in diesem Fall sogar gar keine) diskriminieren Ausländer aktiv oder greifen diese sogar an. Diese sind hauptsächlich im Neonazi-Bereich und im rechtspopolistischen Lager zu finden. Bedauerlicherweise ziehen sie auch einige Bürger mit und schüren Ängste und Aggressionen gegen Ausländer bei ihnen, wie man am Beispiel PEGIDA sieht. Diese richten Gewalt zwar nicht direkt gegen Ausländer, aber - wie in letzter Zeit gesehen - z.B. gegen noch leerstehende Flüchtlings-Unterkünfte und zünden diese an. Das soll wohl verhindern, dass die Flüchtlinge in ihre direkte Nachbarschaft kommen.

Die ewig Rechten werden wir wohl nicht gänzlich ausmerzen können. Aber es wäre zu wünschen, dass sich auch die schweigende Mehrheit der Weggucker nicht länger gegenüber Diskriminierung von Ausländern und Minderheiten gleichgültig verhielte.

Flüchtlingsdebatte

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