Racial Profiling bei der Polizei - meine persönlichen Erfahrungen

Aus meiner Facebook-Chronik:

"Ich war heute nur kurz in Facebook eingeloggt. Trotzdem war sowohl von privaten Freunden als auch von Nachrichten-Seiten ein bestimmtes Thema sehr präsent und ist mir deswegen ins Auge gefallen.

In meinem Leben habe ich immer wieder einige unangenehme Erfahrungen gemacht:
ich wurde von Polizisten kontrolliert. Völlig unerwartet und ohne bestimmten Grund. Meistens passiert das auf Bahnfahrten oder Bahnhöfen. Ich muss dann meinen Ausweis vorlegen und werde gefragt, was ich mache, woher ich komme und wo ich hin möchte. Manchmal nehmen sich die Leute wohl etwas mehr Zeit.
Letztes Jahr zu Weihnachten zum Beispiel wurde ich während einer Autofahrt angehalten. Das war zwar nicht das erste Mal, dass meine Autofahrt unterbrochen wurde, aber auffällig war eben, dass die Untersuchung dieses Mal besonders gründlich war. Die Ausweise sämtlicher Insassen (Familienmitglieder) wurden eingesammelt und sogar mit der polizeilichen Datenbank abgeglichen. Außerdem erfolgte noch eine Kofferraumdurchsuchung.
Was mir auch in der Vergangenheit häufiger passiert ist, ist, dass ich in Diskotheken nicht hereingelassen wurde. Besonders in Erinnerung bleibt mir ein Vorfall, bei dem ein paar Freunde mit deutlich sichtbarem Migrationshintergrund und ich unterwegs waren und gleich drei Mal hintereinander (zwei Diskotheken in Herford und eine in Porta Westfalica) durch die Türsteher keinen Einlass erhielten. In allen drei Fällen war übrigens nicht die Ursache, dass es zu voll war. Ferner war allen Vorfällen gemeinsam, dass sie insbesondere dann auftraten, wenn ich
1) allein oder 2) mit anderen Personen mit sichtbarem Migrationshintergrund unterwegs war.
Außerdem wurden andere Personen ohne o.g. Eigenschaften nicht weiter behelligt.

Das soll erst einmal an persönlichen Erfahrungen reichen.

Noch etwas anderes haben diese Ereignisse gemeinsam. Die meisten meiner Freunde dürften genug Empathie besitzen, um richtig einzuschätzen zu können, wie man sich dabei fühlt, aber ich erwähne es mal trotzdem: Es ist ein sehr verletzendes Empfinden, wenn du aufgrund äußerlicher Kriterien aus einer Masse gezogen und schlechter behandelt wirst.
Mir als Deutscher mit südostasiatischer Abstammung geht es da noch vergleichsweise gut. Ich habe Freunde und Bekannte aus dem arabischen Raum, bei denen Häufigkeit und Ausmaß solcher Erfahrungen noch wesentlich schlimmer sind.

Für all die genannten Vorgehensweisen gibt es bestimmte Gründe, die in einer gewissen Hinsicht nachvollziehbar sind. Sie alle sollten einen guten Zweck erfüllen und wurden daher von der verantwortlichen Ebene abgesegnet.
Damit stellt sich aber eben auch die Frage „Heiligt der Zweck die Mittel?“. Falls ja, wie schlecht darf ein Mittel dann werden? Wo liegt da die Grenze und wer legt das fest? Was ist der Maßstab um das zu beurteilen?
Und weil der Zweck ein guter ist, darf man dann nicht mehr ein schlechtes Mittel kritisieren? Muss man aufgrund des guten Zwecks jedes Mittel bedingungslos akzeptieren?
Und wenn man das Ganze mal auf lange Sicht betrachtet: Wenn schon Verletzen von Unschuldigen um der Sicherheit Willen okay ist, ist dann so etwas wie Datenschutz überhaupt noch etwas Erstrebenswertes, wenn sie so oft im Gegensatz zu höherer Sicherheit steht? Ist Überwachung dann vielleicht doch eine tolle Sache, die wir alle wollen?
Ich halte es für sinnvoll, sich Fragen dieser Art zu stellen, wenn man sich die aktuelle Diskussion in den Nachrichten ansieht. Ich sehe im Moment so einige undurchdachte Äußerungen zum Thema, die wirklich sehr grenzwertig sind.

Ich möchte dir danken, dass du soweit mitgelesen hast und dir Gedanken machst!
In diesem Sinne – genug facebook für heute :-P Euch allen ein frohes neues Jahr!

PS: Sachliche Diskussion erwünscht, auch per PN."

Racial Profiling, Nafri, Polizei, Rassismus, Ausländerfeindlichkeit