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RAW (2016)

Eindrücke vom Fantasy Filmfest 2017.

So, jetzt mal wieder was Sinnliches. Nach dem "It"-Burger von gestern ein Steak Tartare schön "Raw". Geht es euch auch manchmal so? Ihr zieht euch so einen "rosarohen" Fladen rein und möchtet dann immer und immer mehr? Und wenn le Chef schließlich irgendwann sachte den Kopf schüttelt, weil die Kuh alle ist, gleitet euer Blick verstohlen hinüber zu eurer Begleitung, ihr rechnet im Kopf aus, ob in der Gefriertruhe wohl ausreichend Platz ist?

So ähnlich geht es Justine in "Raw" auch, einem gemäßigteren französischen Horrorfilm der härteren Gangart. Justine weiß nicht, dass sie eine schlummernde Leidenschaft für rohes Fleisch in sich trägt. Die liegt in der Familie, doch diese hat sich gegen eine Lebensart entschieden, die wohl in der heutigen Zeit sehr anstrengend wäre, und ihren Nachwuchs streng vegan aufgezogen. Aber irgendwann wird dieser flügge, es geht hinaus ins Uni-Leben. Blöd nur, wenn dann eine der lustigen und unumgänglichen Initiations-Maßnahmen den Verzehr von rohem Fleisch beinhaltet…

Mit dem mütterlicherseits vererbten Gen kommt man da schnell auf den Geschmack. So lernt Justine eine ganz neue Seite an sich kennen. Ihre große Schwester Alexia, die schon vor ihr das Veterinärstudium an dieser Uni begonnen hat, leistet ihr ein wenig Orientieunshilfe, sie kümmert sich auch sonst rührend um ihre kleine Schwester, mit der sie diese Neigung teilt. So sorgt sie zum Beispiel dafür, dass Justine untenrum nicht so unordentlich "frisiert" ist. Das kostet sie einen Finger. Den hat dann angeblich der Hund gefressen. Aber wir wissen das besser. Wurden Zeuge. Alexia ist ihr aber nicht lange böse deswegen. Ein Überleben mit solchen Anlagen ist halt nicht so leicht. Da muss man hart sein im Nehmen. Beziehungsweise Geben….

Die Handlung ist damit eigentlich erzählt. Ich fand den Film schön und nach dem Überinszenierten "It" von gestern angenehm "roh". Auch ist er eigentlich recht witzig. Was vor allem an Justines Schwester liegt, deren Reaktionen und Verhaltensweisen doch für einige verschmitzte Lacher sorgen. Sie ist ein bisschen der Comical Relief hier. Insgesamt ist das aber eh kein so derber Film, wie man vielleicht erwarten würde. Klar gibt es die eine oder andere ausladende Wunde zu bewundern (!) und der Film scheut sich auch nicht, ausgelassenere Momente des Studentenlebens zweier Studentinnen zu zeigen, mit denen man jetzt nicht unbedingt rechnet, was sich gleich organischer, naturalistischer und echter anfühlt, aber "Raw" geht nie zu weit oder versucht neue Rekorde in Geschmackosigkeiten aufzustellen. Liegt wohl auch daran, dass der Regisseur eine Frau ist. Nämlich Julia Ducournau. Damit ist Empathie kein Fremdwort, kindische Endlos-Brutalitäten maskuliner Natur sind es dagegen schon. Trotz der kruden Thematik ist alles relativ dezent gehalten. Und wie gesagt auch ziemlich witzig. Keine Schenkelklopfer jetzt, es macht sich eher so ein stetig simmerndes WTF-Lächeln breit. Es hilft auch, dass die beiden Hauptdarstellerinnen angenehm anzuschauen sind und toll spielen. Ich verließ einigermaßen aufgeräumt den Kinosaal. Die Stimmung war gut. Gut gut.

Lesart? Keine Ahnung. Unis verrohen. Wecken das Raubtier im Menschen und erheben Urinstinkte zur Profession. Das Gefügigmachen archaischen Hungers um Krieger für den Kapitalismus zu formen, HA! Okay. Ich lasse das besser.

Schöner Film.

Horrorfilm, Frankreich, Kampus, Fleisch, Veganismus

https://youtu.be/udkwT3p28Sw