schneidet die alten Zöpfe aus den Kinderbüchern !

Juliane schreibt: „Reale Begebenheiten werden kindgerecht dargestellt und dienen dem Vergnügen der Kinder, wieso muss man JEDES MAL etwas dabei lernen?“. Hat das Kind denn weniger Vergnügen, wenn bestimmte Begriffe weggelassen werden oder ein anderer Ausdruck eingesetzt wird? Hat es denn jetzt kein Vergnügen mehr an Pippi Langstrumpf, wenn sie keine "Negerprinzessin", ihr Vater kein „Negerkönig“, sondern in der neuen Ausgabe ein "Südseekönig“ ist? Schokoküsse schmecken mir auch nicht schlechter, nur weil sie nicht mehr Negerküsse heißen.

Verantwortungsbewusste Autoren haben sicher nichts dagegen, wenn nach vielen Jahren unzeitgemäße Textstellen ersetzt werden. Mündlich überlieferte Märchen wurden auch immer wieder in Erzählungen angepasst, bis sie von den Gebr. Grimm u.a. fixiert wurden. Ich glaube nicht, dass diese Autoren Bedenken gehabt hätten, wenn dort Worte zeitgemäß ausgetauscht worden wären. Es spricht doch nichts dagegen, wenn man sie auf die heutige Zeit bezieht (außer vielleicht die Eitelkeit der Verfasser).

Richtig: das Kind muß aus einem Kinderbuch nicht unbedingt etwas lernen, es muß aber auch nicht etwas lernen, was wir aus unserem Sprachgebrauch aus guten Grund verbannt haben. Gerade die Freude daran, sich über Minderheiten lustig zu machen wird sehr schnell von Kindern aufgenommen. Ich finde, das muss nicht durch Bücher forciert werden. Szenen aus Kinderbüchern oder Filmen werden von Kindern sehr schnell aufgenommen und in Rollenspielen nachgespielt. Ich sähe es lieber, wenn mein Kind dabei Saft statt Bier trinkt, Tee statt Wein und statt Zigaretten zu rauchen, ein Kaugummi kaut.

Viele Kinderbücher sind als Lern- und Erziehungsbücher geschrieben worden z.B. „Der Struwwelpeter“. Die ehemalige Auffassung von Kindererziehung ist heute nach wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht mehr angebracht. Sie war teilweise grausam und auch ideologisch von Politik und Kirche geprägt. Da nehme ich doch eher die heutige „political correctness“ in Kauf.

Ich stimme mit Juliane überein, dass es Aufgabe der Eltern ist, ihre Kinder zu erziehen. Aber dazu gehört auch, dass sie darauf achten müssen, was das Kind liest, was es im Fernsehen sieht und was es am Computer spielt oder welche Seiten es im Internet aufruft. Insofern empfinde ich es nicht als „Drohung“, ein bestimmtes Buch nicht zu kaufen, sondern als verantwortungsvolle Erziehung.

Die Kinderbuchautorin CHRISTINE NÖSTLINGER schreibt in „ Die Zeit“ No. 03/2013 „Ich habe einfach keine Lust, Sheriff zu spielen und in alten Geschichten, die keinem Kind geschadet haben, Wörter zu verhaften.“ (woher weiß die Autorin, dass es keinem Kind geschadet hat ?)

Das erinnert mich doch sehr an „ein Klaps auf den Hintern oder eine Ohrfeige hat auch noch keinem geschadet“. Sicher bin ich mir jedoch, dass es noch keinem Kind geschadet hat, wenn es Bücher liest, in denen nicht geraucht, Alkohohl getrunken und Konrad nicht der Lutschdaumen abgeschnitten wird. Das diente damals zur (oft unsinnigen) Erziehung, und macht den Kindern nur Angst. Frau Nöstlinger schreibt: sie hat einfach keine Lust… - es geht anscheinend nicht um das Wohl der Kinder, sondern um SIE.

Erwachsene verstehen, dass früher gebräuchliche Situationen und Lebensumstände heute in anderem Zusammenhang gesehen werden müssen. Kinder haben davon keine Vorstellung, sie leben im Hier und Jetzt. Hilfe der Eltern gibt es nicht mehr, sobald das Kind alleine lesen kann. Deshalb halte ich es für sinnvoll, stellenweise sogar für notwendig, dass Kinderbücher bei einer Neuauflage auf die Wortwahl geprüft werden.

Alkohol, Zigaretten und Co. in Kinderliteratur

http://orf.at/stories/2290256/2290259/

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