Selbsthass beleidigter Leberwürste

Vorsicht! Steile Thesen im Anflug. Sonntag …

Eigenenentlich wollte ich etwas zum Thema "Hater" schreiben. Aber die Reise ging schließlich wie so oft woanders hin. Mein eingebautes Navi ist schon lange kaputt.

Ich setze hier die Klammern mal großzügig und subsummiere einfach alles unter "Hater", was sich aus Freude am Aufmischen und Anpöbeln den Anstrich des Andersdenkenden gibt. Wenn irrationaler Hass mit Spaß am Anmachen eine lustvolle Symbiose eingeht. Das eine verstärkt das andere, Lustprinzip betäubt den gesunden Menschenverstand und das Gefühl für Maß schwindet.

Hater genießen ihre Unantastbarkeit, die ihnen Anonymität und Halt in der Gruppe Gleichgesinnter versprechen. In der Gruppe wird die Lächerlichkeit der vorgeschobenen Gründe und Ursachen dann auch egal. Wenn ich mir so Gruppierungen wie das Schwabenland-Forum zum Beispiel ansehe, dessen prominentestes Mitglied Axel Stoll vor nicht allzu langer Zeit vetstarb (bzw. auf die Rückseite des Mondes umsiedelte, um dort wahrscheinlich sehr wichtige Aufgaben in der Entwicklung von Skalarwellen-Kanonen für Flugscheiben zu übernehnen), deren Irrsinn schwindelerregende Höhen erklomm und wohl noch erklimmt, dann zeigt sich meines Erachtens anschaulich, wie egal es ist, für den Rest der Welt zum Horst zu werden, wenn man nur ausreichend Horsts auf der eigenen Seite stehen hat. Kommen dann noch auf andere umgelenkter Selbsthass und Lust am Trollen hinzu, dann sind dem Wahnsinn keine Grenzen mehr gesetzt, da sich dieser um keinerlei Mass oder Reputation zu scheren braucht, bei der Ernte der süßen Früchte ungebremsten Arschgeigentums.

Hater sind Abhängige. Im Kampf gerade  gegen den Common Sense holen sie sich ihren Kick und vermutlich fällt es ihnen schwer, haben sie einmal Blut geleckt, auf den Spaß fortan zu verzichten. Irgendwie liegt in dieser Maßlosigkeit jedoch Tragik. Die meisten von denen wollen sicher ebenfalls einfach nur geliebt werden. Klingt sentimental, aber Liebe ist nunmal einer der wesentlichsten Antriebe unseres Handelns. Als ob sie durch die Androhung des totalen gesellschaftlichen Selbstmordes auch mit der Verzweiflung des "Stürzenden" final auf sich aufmeksam machen wollten. Sie  gefallen sich irgendwann in dieser verqueren Opferrolle. Als sei es ein "Bitte rette mich, sonst gehe ich doch wirklich kaputt!", kombiniert mit der Drohung, dass die Folgen für alle dann offensichtlich nur umso krasser sein werden. Gewalttäter wählen hier womöglich die extremste und fatalste Form. Ein ideologischer Amoklauf unterschwelliger Verzweiflung und Frustration.

Hater sind wohl wie angefahrene Tiere, die es genießen, sich selbst ins Abseits zu schießen. Ein Ausdruck pathologischen Selbstmitleids, das unter der demonstrierten Kälte und Härte brütet, verwandelt diese Frustration durch untragbares Verhalten in etwas nihilistisch Befriedigendes. Und Gewalttäter dürften häufig nur die nächste Stuffe erreicht haben, auf der sie nichtmehr nur drohen sondern handeln. Dabei ist der Nihilismus nur Tapete für diese Elefanten im Porzellanladen. Weil es geht schließlich um den Schockeffekt.

Der absolute Hater schlechthin ist der Teufel selbst. Eine beleidigte Leberwurst sondersgleichen. In dieser mythologischen Figur spiegelt sich das Verlangen des Menschen ultimativ und pur wider, gefallener Engel zu spielen. Weil Satan war in der Überlieferung ein eitler, selbstverliebter Schönling, der vom absoluten Vater verstoßen, nun arschgeigt, dass es nur so eine Art hat. Eigentlich will er lediglich seinen gekränkten Stolz heilen. Wären ihm Gott und die Welt egal, läge ihm nichts mehr an der Schöpfung, könnte er ja auch einfach sein autonomes Dasein genießen und den Herrgott einen guten silberbärtigen Mann sein lassen. Er trollt aber apokalyptisch. Weil eigentlich schmort er genüsslich in seinem Selbstmitleid, er möchte wahrgenommen und eventuell gestoppt, wieder angenommen werden.

Den Teufel gibt es nicht. Aber die menschlichen Schwächen, die solche Phantasiegestalten bedingen, schon. Da er eine Kreation des Menschen ist, muss er auf dem Charakterblatt unbedingt auch dessen heimliches Verlangen nach Rehabilitierung besitzen. Die Wahl seiner Mittel ist maximal böse und verweist quasi schon dadurch auf das Gegenteil. Wo es keine Graustufen mehr gibt, verweist Schwarz zwangsläufig und ganz automatisch auf Weiß. Dem Teufel ginge es in Wahrheit um Liebe, wenn es ihn gäbe. Dann stellte sich unser Schöpfer jedoch echt dämlich, hier den richtigen Schritt zu tun. Wenn es auch den gäbe. Weil er wäre ebenso eine beleidigte Leberwurst, der seinen gekränkten Stolz und seinen persönlichen Krieg gegen den einstigen "Lichtträger" über die Interessen seiner Schöpfung stellt. Dabei sollte allein jeder Fortschritt hin zum Besseren zählen. Hm…, auch hier eine seltsame Analogie zur Realität, in der sich zeigt, dass die Pflege uralter Animositäten echtem Fortschritt stets vorgezogen wird. Bleidigte Seelen stiften also Schöpfungsmythen und trollen den Common Sense. Ist das nicht offensichtlich? Oh Mann, was für ein Exkurs!

Um was ging es jetzt? Ach ja darum, dass Sonntag ist.

Hater, Teufel, Religion, Psychologie, Sonntag

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