Skandal! Disney schwulisiert Eure Kinder!

Huch! Da hat Disney sich ja echt mal 'was getraut. Ein homosexueller Charakter, in einem Familienfilm! Heiliger Bimbam, und das im Jahr 2017. Die konservative Fraktion lief jedenfalls erwartungsgemäß Sturm und rief, wie es ja bei denen gerade so Trend ist, im Netz zum #boykott auf, denn schließlich will man ja nicht, dass am Ende noch die eigene Brut schwulisiert wird. Aua aua.

Na ja, dem Erfolg des Filmes werden die paar Ewiggestrigen, die jetzt nicht (oder vielleicht gerade doch..?) ins Kino gehen, wohl keinen Abbruch tun. Und ob dieses kleine Detail von Onkel Disney nun aus Gründen der „Political Correctness“ eingebaut bzw. genehmigt wurde oder um eben genau dieses Skandälchen zu provozieren, damit ein bisschen mehr geredet und geklickt wird – da kann man nur spekulieren.

Jedenfalls mag sich so manche/r bei dem ganzen Getöse wohl schon vor Filmstart gefragt haben: Ja, wie krass geht das denn eigentlich ab in diesem Film, wird da geknutscht, gefummelt, oder gar noch mehr...? Aber nein. Außer ein paar Blicken und ein bisschen Getanze passiert zwischen Gastons Sidekick LeFou (eine der witzigsten Figuren übrigens) und seinem Schwarm gar nichts. Denn natürlich bleibt Disney der familienverträglichen Linie treu. So wie auch dem heißgeliebten Original von 1992, bis auf ein paar Details und Modernisierungen, wie eben die hauchzart angeteaserte Anziehung zwischen Männlein und Männlein.

Da gibt es halt die Schöne, routiniert verkörpert von Emma Watson, die hier ihrer Hermine-Paraderolle nicht viel hinzufügen musste, das computeranimierte Biest, den Vater der Schönen, knuffig gespielt von Kevin Kline. Dann noch die sprechende Teekanne (Emma Thompson) mit Tassenkind, Kerzenleuchter (Ewan McGregor), Standuhr (Ian „Gandalf“ McKellen) und so weiter. Und natürlich den fiesen Gockel Gaston, eine meiner persönlichen Lieblingshassfiguren, hier auch schön doof in Szene gesetzt von Luke Evans. Sie alle tanzen, singen die alten Lieder, tragen die vertrauten Gewänder und folgen dem wohlbekannten Plot, so, wie die Disney-Nostalgiker*innen sich das halt gewünscht haben. Da nehme ich mich gar nicht aus.

Ein paar dezente Neuerungen gibt es allerdings schon, zum Beispiel zwei neue Lieder, die nicht weiter stören und teilweise den bekannten Charakteren sogar etwas mehr Tiefe geben. Auffällig auch die Neuinszenierung des ersten Dinners im Haus des Biestes („Sei hier Gaaaast!!“). Die wurde hier hochfrisiert zum psychedelischen Spektakel, bei dem man sich schon fragt, was da wohl drin war in der Kaffeekanne der Animationsabteilung. Auf jeden Fall ein Highlight.

Alles in allem längst nicht so aufregend, wie manche/r vielleicht insgeheim gehofft hat. Aber doch ein gelungenes Remake eines der schönsten Disney-Schmachtfetzen aller Zeiten. Einfach gemütlich reinfallen lassen und den Feenstaub genießen.

Die Schöne und das Biest

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