Subversion von Politik ist sinnlos

Ich habe ja damit geliebäugelt, den oben angeführten Artikel in der taz bei Facebook mit einem positiven Kommentar zu posten. Ich habe es nicht getan, weil der Autor ganz offensichtlich so in seiner politischen Blase festhängt, dass er vor AfD und FDP gleichermaßen warnt, was auch ein hervorragendes Beispiel für die Art und Weise ist, wie Antifaschisten ihren Kampf gegen Faschismus ständig auf alles ausweiten, was ihrem eigenen Weltbild nicht entspricht. Er kann zwar seine These problemlos aus dem Marxismus herleiten, nach dem der Faschismus nur eine Auftrittsform des Kapitalismus ist, aber das ist für mich im Grunde nur Hänschen-klein-Politiktheorie, nach der das eine, was man nicht mag, automatisch mit dem anderen, was man nicht mag, verbunden sein muss.

Aber das nebenbei. Grundsätzlich bin ich aber mit dem Autoren hinsichtlich der PARTEI einer Meinung. Es gibt Satire - und es ist gut, dass es sie gibt - und es gibt Politik. Politik sollte sich damit beschäftigen, die Probleme eines Landes bzw. auch der Welt zu lösen. Politik ist damit ein ernsthaftes Geschäft, oder sie sollte es wenigstens sein. Politik sollte auf Lösungen abzielen. Satire ist das Gegenteil. Satire zielt nicht auf Lösungen, sondern auf Kritik der herrschenden Zustände. Dankenswerter Weise wurde dies bereits von Martin Sonneborn im Europäischen Parlament demonstriert. So sehr man seine Auftritte im Plenum gouttieren kann, aber bewegt hat der Mann noch nichts, und er wollte es auch nicht. Konstruktiv und für den Bürger geht also anders.

Und das ist genau das Problem der PARTEI. Die Konjunktur dieser durch eine Zeitung gesteuerten Wählervereinigung belegt im Grunde nur, dass es auch auf der linken Seite ebenso ein Grundlevel an Frustration über die herrschenden Verhältnisse in der deutschen Politik gibt wie auf der rechten Seite. So wie der Konservative AfD wählt, weil er sich von denen in Berlin nicht mehr vertreten fühlt, wählt der Linke die PARTEI. Aber es ist noch mehr als das. Während der konservative AfD-Wähler wenigstens noch glaubt, die mundtote Masse der Bevölkerung hinter sich zu haben und eine eigene Agenda verfolgt, so sehr man diese ablehnen mag, sieht sich der linke PARTEI-Wähler in der abgehobenen Position dessen, dem es zukommt, sich über die in Berlin und auch die Masse lustig machen zu dürfen, ohne die Bereitschaft zu zeigen, selbst Verantwortung zu übernehmen. Im Grunde ist das ein zutiefst elitärer Anspruch, über den man sich im Grunde gerade bei Linken nur wundern kann.

Von daher ja, natürlich muss man Politik kritisieren und sich auch über sie lustig machen. Natürlich sollte man grinsend mit dem Finger auf alle zeigen, die sich im Politikbetrieb selbstverliebt und auf Kosten des Steuerzahlers zum Affen machen. Aber schon in der politischen Diskussion, im Netz und in den sozialen Medien, zeigt sich für mich des Öfteren, dass die Veralberung der politischen Gegenseite nicht zielführend ist, dass sie des Öfteren genutzt wird, um jegliche Argumentation der Gegenseite abzuwürgen und die eigene Agenda dadurch durchzubringen, dass die Gegenseite als Witzblattfiguren dargestellt wird. Die PARTEI steigert dieses Verhalten noch dadurch, dass sie vollständig sinnbefreit auf ihre eigene Agenda verzichtet. Auf solche Parlamentarier kann ich getrost verzichten. Da sind mir die Linke und selbst die AfD lieber, denn so sehr ich die Positionen beider Parteien ablehne, kann ich davon ausgehen, dass sie aus ihrer Sicht eine Vision einer für sie besseren Gesellschaft verfolgen. Wer für sich das Recht herausnimmt, sich nur noch über alles lustig zu machen, macht damit klar, dass er eine solche Vision komplett aus den Augen verloren hat.

Bundestagswahl 2017

https://m.taz.de/PARTEI-waehlen-ist-das-Letzte/!5447201;m/