Super Dark Times (2017)

Eindrücke vom Fantasy Filmfest 2017

Ich bin inzwischen ein wenig müde, was meine derzeitigen Filmerfahrungen angeht. "Bitch" habe ich gesehen. "The Mermaid" und "Veronica" auch. Und bisher nichts dazu geschrieben. Schreiben geht mir nicht so leicht von der Hand, ich zweifele und redigiere viel. Ein Journalist, der mal eben noch schnell einen properen Text für die morgige Ausgabe einer Film-Postille raushaut, würde wohl nie aus mir. Und jetzt sind diese Filme schon wieder ein paar Tage her. Ich glaube die lasse ich mal unberücksichtigt. Nur so viel, ich mochte alle drei. Vielleicht kommt ja nochwas. Durch den Schleier verklärter Erinnerung….

So, jetzt "Super Dark Times". Intensives Drama, toll gespielt und inszeniert. Die Handlung ist banal, wie das Leben selbst, das ja (leider) auch keinen Autor beschäftigt, sondern Begebenheiten und Ereignisse eher wild und anspruchslos zusammenwürfelt. Deswegen lieben wir wohl Filme. Sie schenken uns rückwirkend die Illusion, dass es nicht banal ist. Dass alles schon seinen Grund und seinen Sinn haben wird. Wie im Kino. Aber Leben ist Chaos. Es ist keine Komposition aus dem Garn eines umsichtigen Geschichtenerzählers. Und Filme, die das bewusst in dieser Weise wie hier einfangen, sind genauso liebenswert.

Im letzten Film, den ich mir auf dem diesjährigen Fantasy  Filmfest ansah, geschieht ein tragischer Unfall und ein paar junge Leute reagieren darauf maximal verhängnisvoll. Sie reiten sich ziemlich tief in die Scheiße, kommen damit absolut nicht klar. Und dann geraten noch mehr Menschen in Lebensgefahr.

Die Erzählweise ist zurückhaltend und einfühlsam, dem natürlichen Spiel der Darsteller kommt nicht zu viel Handlung in die Quere. Die braucht es auch nicht, wenn plausible Charaktäre im Mittelpunkt stehen, die in einem realistischen Setting agieren. Im Gegenteil. Es war alles so hervorragend gut und intensiv, dass ich stets das Hereinbrechen irgendwelcher Versatzstücke fürchtete. Die blieben aber weitgehend aus. Es gab ein paar unvermeidbare Traumsequenzen, die jenen gefährlich nahe kamen, aber doch gerade noch die Kurve bekamen. "Super Dark Times" hat mich super satt entlassen, so dass ich mir den als furios angekündigten Abschlussfilm gar nicht mehr gab. Vielleicht ein Fehler. Egal.

Rückblickend muss ich sagen, dass das für mich ein Filmfest der beeindruckenden Jungdarsteller war. "It", "Sicilian Ghost Story", "Veronica" und zuletzt "Super Dark Times". Wenn ich einen Gewinner küren müsste, dann würden sich zwei Filme den Preis dieses Jahr teilen müssen. Ich muss allerdings sagen, dass ich Vieles nicht gesehen habe. Absolut geflasht ließen mich zurück:

"Blade of the Immortal"

und

"Sicilian Ghost Story"

Knapp gefolgt von "Super Dark Times".

Ich gehe jetzt gut 30 Jahre auf Filmfestivals. Vorwiegend "Weekend of Fear" und "Fantasy Filmfest". Bin halt ein Genre-Zombie. Ich würde mich mal freuen, wenn sich etwas grundlegend änderte. Wenn sich Filmsprache in allen Kategorien erneuerte. Ich hatte keinen Bock auf den Abschlussfilm. Das ist mir noch nie passiert. So als fürchtete ich eine weitere emotionale Bombe der Begeisterung, die aber trotzdem einerseits wieder nichts anderes ist als ein "Noch höher, schneller, weiter!" ausgetretener Pfade. Andererseits verspüre ich gerade eine Aversion gegen Begeisterung. Ich bin "begeisterungsmüde". Sehne mich nach Gutem, Gefälligem, das aber nicht so schlaucht wie absolut Großartiges. Als wenn diese Bereiche in meinem Herzen, die Herzwände…, allmählich schon Risse aufweisen, wegen zu starker Beanspruchung. Begeisterung kotzt mich langsam an. Mag auch sein, dass solche exzessiven Gefühle nicht recht mit jemand Nahem teilen zu können sie ein wenig bitter machen im Nachgang. Man fällt in ein Loch. Super dark times? Ein bisschen schon jetzt. Aber der Alltag wird es richten, mit groben Sensenstrichen.

, Coming of Age, Thriller

https://youtu.be/DjMVWxcqhv4