Terminator 2: Tag der Abrechnung 3D

“Döminäider Du!"

Ich würde gerne den gesamten Text im "Arnie-Jargon" schreiben, doch wer wollte das lesen? Wobei mich Schwarzenegger-Parodien immernoch zum Lachen bringen. Bin halt ein Kind der 80er, was soll ich machen. Es ist mir nach wie vor ein Rätsel, wie so wenig schauspielerisches Talent nur durch pure Präsenz ausgeglichen werden kann. Aber es ist möglich. Arnie spielt wie ein Kamel, ohne aber dabei dumm auszusehen. Das schafft glaube ich nur er. Und als Terminator fand er wohl die perfekte Rolle, die dieses berufliche Manko endlich zur passenden naturalistischen Gabe erhob.

Maschinen haben eben selten Empathie. Sie können also nur schlecht schauspielern. Umso weniger die erste Generation der Terminatoren. Das macht gerade den ersten Teil der dystopischen Saga fast perfekt. Hier ist Arnie ein Waffenautomat mit obsoleter Visage, der wirklich niemals auch nur versucht Menschlichkeit zu imitieren. Wenn dies dann doch ab und zu geschieht, liegt das an Arnies Manko, nicht am Drehbuch. Anders in "T2". Mehr Investition zwang zur Abkehr von gewissen Tugenden und Hinwendung zu möglichst großem Erfolg. Und damit morphte der Teminator vom düsteren Sci-Fi-Slasher des ersten Films zum familientauglichen Action-Märchen des zweiten.

Nach wie vor stören mich etliche Kleinigkeiten an der Fortsetzung, wie damals bei Erstsichtung bereits. Aber heute stimmt das süße Gift der Nostalgie doch milde. Milder. Und gut fand ich ihn ja trotzdem immer. Wenn auch nicht so geil wie den viel preiswerteren Vorgänger. Wobei die Grundhandlung schon propper ist, der übrige Cast in den Hauptrollen toll und die Action phantastisch. Es sind nur diese kleinen, nervigen Zugeständnisse an ein möglichst großes und auch in Teilen jüngeres Publikum. So beispielsweise die völlig unnötige Menschwerdung des stählernen Beschützers. Das macht irgendwie auch keinen Sinn, beziehungsweise beraubt es die Thematik um ihre tragischen Vater-Sohn-Elemente und macht das Werk ein bisschen zum Disney-Kuschelfilm. Die zahlreichen guten Ansätze hätten sehr viel mehr hergegeben. Bei weniger Klingeln an den Kinokassen vermutlich.

Ich phantasiere mir ja ab und an gerne einen "T2" mit den Mitteln und der künstlerischen Haltung des Originals zusammen. In der Regel nach oder schon während eines Wiedersehens. Düsterer. Dreckiger. Ein John Connor, der im T-800 den nie gehabten Vater sieht, aber an dessen kalter Zweckorientiertheit und Emotionslosigkeit scheitert und ein Stück weit daran zerbricht, was ihn letztlich nur noch unerbittlicher vorantreiben wird, im Kampf gegen die Maschinen. Eine Sarah Connor, die ihren Sohn vor diesem Schaden zu bewahren sucht, aber gleichzeitig nicht auf die Hilfe der Maschine verzichten kann. Und ihr nie wirklich traut. Eine kaputte Patchwork-Family auf paranoider, beziehungsgestörter Mission. Na ja.

Vorgestern saß ich mit 3D-Brille im Kino und es gab auch ein paar jüngere Menschen. Ich frage mich, ob die nicht manchmal den Eindruck hatten, dass das Publikum der 90er sehr viel dümmer gewesen sein muss. Weil die Message des Films und gewisse Konventionen werden bisweilen schon mit dem Holzhammer serviert. Besonders "erfreut" mich da immer der Moment, wenn Arnie, nachdem ihm John befohlen hat niemanden zu töten, einem Pförtner ein paar Kugeln verpasst und der Film jenen dreimal in Folge sinngemäß, und unüberhörbar sagen lässt, während er sich am Boden wälzt: "Du Dreckskerl hast mich angeschossen! Angeschossen! Verdammt nochmal (und jetzt auch wirklich für den allerletzten Blödmann) ANGESCHOSSEN!" Ich kann jedoch versichern, dass mich das Anno 91 schon restlos genervt hat. Für grenzdebile Höhlenmenschen wurde Ultimate Fighting erfunden. Das reicht denen doch. Muss man auch noch Filme für die flach bügeln? Wir haben da nämlich längst kapiert was Sache ist. Aber das liebe Geld. So ähnlich plump geht es, was das anbelangt, nämlich weiter. Das ist alles überdeutlich und grob geschnitzt, mit leuchtenden Lettern versehen und winkenden Zaunpfählen gepflastert, auf dem Niveau einer TV-Kinderstunde. Zum Glück sind Hamilton, Furlong und Patrick jedoch so gut, dass es weniger schmerzt, als es sollte. Ich fand das 3D im Übrigen ebenfalls ziemlich brauchbar. Vermutlich, weil der Film ursprünglich nicht für 3D gemacht worden ist und es dadurch nicht aufdringlich im selbstverliebten Selfie-Modus absäuft. 3D mag ich eigentlich sonst ja nicht so. War hier aber okay.

"Terminator 2" ist eine weitgehend exzellente Action-Oper, deren Einfluss und Bedeutung für das aktuelle Kino verwandter Prägung noch immer massiv ist. Cameron ist ein guter, vor allem visueller Erzähler, der es schafft einen zu packen und in Adrenalin zu baden. Dass er da zwischen den Filetstücken mit Ketchup abschmecken muss, damit es auch Hein Blöd noch schmeckt und der sein Ticket kauft, ist halt ein Diktat der für damals ausufernden Produktionskosten.

Die beiden Glanzpunkte sind für mich Linda Hamilton und Robert Patrick. Sarah gleicht äußerlich selbst schon einem Terminator, sie wurde quasi zur Maschine, um die Maschinen zu bekämpfen. Sie spielt die Rolle glaubhaft und verkauft die Kriegerin mehr als überzeugend.

Robert Patrick ist beeindruckend als T-1000. Eine dermaßen gedenkwürdige Performance, die ihn zurecht in den Olymp unvergesslicher Filmmonstrositäten aufsteigen ließ.

Furlong nervt als überschlaue Kackbratze der Vorsehung nichtmal so sehr, was auch schon eine ziemliche Leistung darstellt. Dafür spielen ein paar der Nebencharaktäre manchmal wie Laienschauspieler nach dem dritten Schlaganfall. Das ist dann wenigstens ulkig anzusehen, zeigt aber auch, wie sich Prioritäten bei einer so großen Produktion verlagern. Der Typ zum Beispiel, der beim Kaffeeholen durch das Auge punktiert wird, hat in etwa so viel schauspielerisches Talent wie ich. Dass mir das nie so auffiel früher lag wohl an dem damals noch beeindruckenden CGI-Zauberblendwerk, das heute natürlich nichtmehr ausreichend Sand in die Augen streut.

"Terminator 2" ist, und in 3D mehr denn je, ein schillerndes Kommerzprodukt seiner Zeit, ein gewichtiger Exploiter seines Vorgängers mit großartigen Versatzstücken. Camerons bei weitem perfektester und bester Beitrag bleibt für mich aber "Aliens - Die Rückkehr". Bei dem stört mich eigentlich gar nichts und es frohlockt das cinneastische Herz. Aber dazu ein andermal.

James Cameron, Arnold Schwarzenegger, Dystopie, Science Fiction

https://youtu.be/VVZQ39i5G1s

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