"The Fireworks Woman"

"Abe Snake" war hier ein nach wie vor junger, wilder Regisseur, der ein paar wenige Jahre später erst noch zu Weltruhm als Horrorfilm-Regisseur kommen sollte. Kurz zuvor gelang es ihm bereits mit einem berüchtigten Werk das Grindhouse-Kino zu rocken und bevor er Mitte der 80er dann kommerziell endgültig loslegte, gelangen ihm ein paar weitere preiswerte Klassiker.

Als junger Wilder will man auch mal einen Porno gedreht haben. Das wollen und wollten sicher viele, heute renommierte Hollywood-Regisseure. Einige haben unter Pseudonym diesen wilden Wunsch sicher in die Tat umgesetzt. Einer von ihnen "Abe", dessen Porno in seiner Filmographie allerdings totgeschwiegen wird. Doch zum Glück gibt es den Nürnberger "Hofbauer-Kongress" und somit wurde nun Licht aus dem Projektor in die schummrige Ecke dieser sonst ziemlich erfolgreichen Filmographie geworfen.

Als ich noch klein war und nichtmehr davon träumte einmal Astronaut zu werden, sondern Filmregisseur, da kam dann in meiner Sturm- und Drangzeit schließlich ebenfalls die Phantasie in mir auf, einst einen Porno gedreht zu haben, dessen Entstehungsgeschichte ich dann in einer von Nikotinschwaden verhangenen Talkshow Joachim Fuchsberger erzähle. Ja, dieser in seiner Zeit unter den Teppich gekehrte Skandal, aber das mittlerweile von Kritikern global hoch gelobte Meisterstück eines nun großen, anerkannten Filmgenies. Eines Teufelskerls. Eines Freigeistes! Ich wette jede/r Regisseur/in hat da mindestens einmal davon geträumt.

Na ja. Leider ist es "Abe" hier nicht gelungen, etwas wirklich Außergewöhnliches zu schaffen. Es wird schon echt viel gefickt, geblasen, geleckt und tüchtig ejakuliert, vielleicht einen Tacken sinnlicher und organischer, als im üblichen Porno, zum Ende hin sogar schön geschnitten zu den detonierenden Feuerwerkskörpern am 4. July, und was ein richtiger Kunstfilm sein will muss natürlich zudem neben Inzest-Thematik ein paar amtliche Pinkel-Sexszenen drin haben, aber leider ist es das große, skandallöse Meisterstück nicht geworden. "Corpulation over Substance" macht aus einer vielleicht ambitionierten Idee halt dann doch nur wieder einen Porno, mit vielen Nasen, die man kennt, wenn man mit VHS und einem Videotheken-Ausweis groß wurde.

Im Endeffekt ist das hier ein typischer 70er-Jahre-Lowbudget-Porno-Spielfilm, leider nicht sehr viel mehr. Prätentiös, also nicht ohne ein paar gute Ideen, Einstellungen und visuelle Spielereien, und viel zu viel Gevögel, um einer Handlung eine Chance zu lassen, die sie aber auch nicht unbedingt verdient. Oder ich war einfach zu abgelenkt. Und Pachelbel (ja der "Kanon", was sonst?!) kommt neben oft seltsam platzierter Dosen-Musik ebenfalls ein bisschen zu häufig zum Einsatz für meinen Geschmack.

Was bleibt ist eine kleine Kuriosität, die als Anekdote im Kontext für den Filmfan interessant ist und wenn man 70er-Porno mag, ist man ebenfalls ganz gut frisiert … äh bedient …, aber der große Endruck blieb bei mir nicht zurück. "Abe" lüftete dann neben seinem Pseudonym den Teppich, schob den Schinken schnell darunter, und machte "The Hills have Eyes" und schließlich, neun Jahre nach diesem Inzest-Porno, "A Nightmare on Elm Street". Wes klingt auch besser als "Abe". Und Craven besser als "Snake". Obwohl…

Dass er wohl Besseres im Sinn hatte, dafür sprechen meines Erachtens seine eigenen kurzen Auftritte vor der Kamera. Als Teufel. Ja, das wäre er wohl gerne gewesen. Ein Teufelsregisseur! Dafür reichte es jedoch nicht. Aber ein ganz ordentlicher Genre-Filmer ist er ja geworden. Leider auch schon abgetreten mittlerweile.

Hofbauer-Kongress, Wes Craven, Porno, Hardcore, Horrorfilm

https://youtu.be/PtRyYnSKdMA