"The Other Side Of Hope"

Kein Review. Gedankensalat.

Alte Liebe rostet nicht. Lange hatte ich allerdings keinen Film des Finnen mehr gesehen und auch diesmal ließ ich mir Zeit mit dem Reingehen. Selbst "Trainspotting 2" habe ich bisher gemieden. Es ist schon seltsam. Es gibt so Filmenacher oder Filme, die irgendwie ganz besondere Plätze in der persönlichen Rezeptionistengeschichte einnehmen und ich weiß auch nicht was es ist. Warum ich die aufschiebe. Vermutlich warte ich auf den ganz besonderen Moment, die spezielle Gelegenheit.

Ich konsumiere Filme nicht mehr weg wie vom Fließband, so wie einst. Und Werke oder Künstler, die mit meiner heißen Kino-Zeit der frühen 90er vermählt sind, sind mir womöglich zu heilig inzwischen und zu aufgeladen mit Bedeutung. Die Vorstellung strengt an, sich für sie Zeit zu nehmen. Weil es eine ganz besondere Zeit sein soll. Stoff, der nicht im "Vorbeisehen" verschwendet werden darf. In den letzten Jahren habe ich viele Filme aus diesem Grund verpasst. Und vermutlich werde ich irgendwann den Löffel abgeben und einige von ihnen noch immer nicht erlebt haben. Man wird so furchtbar geizig mit Gelegenheiten. Es bedarf schon mindestens eines besonderen Anstoßes.

Gestern hockte ich leicht trübsinnig in meinem Park rum und schrub melancholisch einen pessimistischen Text. Da kam ich auf die Idee die Kinoprogramme zu durchforsten. Und so rückte mir "The Other Side Of Hope" wieder ins Bewusstsein. Melancholisch war ich und nach Aufmunterung war mir. Perfekt.

Der Film hat es geschafft mich aufzumuntern. Wie gewohnt bekommt man einen Film vorgesetzt, der es mit beneidenswerter Zurückhaltung und Lakonie hinbekommt, ernst, saukomisch, schräg und entspannt gleichzeitig zu sein. Mit tollen Bildern, Gesichtern und musikalischen Einlagen, denen ich gerne sehr viel länger beigewohnt hätte. Der eingewobenen Asylanten-Thematik wird mit dem ihr gebührenden Ernst begegnet, ohne dass sie unter Schmalz begraben und damit ihrer aufrichtig empathischen Gelegenheiten beraubt wird. Selbst in den dunkelsten Augenblicken gibt es Licht und einen Funken Hoffnung. Und etwas zu lachen. Der Tod ist nicht zwingend das Schlimmste. Ich wäre mal wieder bereit für einen Kaurismäki-Marathon. Im Kino. Kino!

Kaurismäki, Asylanten

https://youtu.be/-I5Tnaf28kk

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