There's no place like home

Ja, es gibt einen Ort, an dem ich mich mehr zu Hause fühle als irgendwo anders in Hamburg (und der liegt nicht auf St. Pauli :D). Und zwar meine ich das Kino. Genaugenommen mehrere. Meine Lieblingskinos in Hamburg sind das Savoy, die Passage und das Abaton. Jedes ist auf seine Weise in den letzten zwei Jahren ein Wohnzimmer für mich geworden. Warum ich so oft im Kino rumhänge, was ich daran so schön finde und warum ich Euch empfehle, da öfter mal wieder hinzugehen statt immer nur Netflix, möchte ich in diesem meinem wahrhaftig 100. whicee-Comment eben mal erzählen.

Wie einige hier vielleicht schon erahnt haben, verdiene ich ein paar von meinen Brötchen mit Filmkritiken. Das ist zugegeben nicht der lukrativste Job, und man braucht, um ehrlich zu sein, mindestens drei andere Jobs, um ihn überhaupt machen zu können (ich jedenfalls).Trotzdem hatte ich noch nie einen besseren.

Das Wunderbarste daran ist natürlich, dass ich jede Woche die neuesten Filme sehen darf. Dabei habe ich schon so viele cineastische Schätze gehoben, die ohne diesen Job garantiert an mir vorbeigegangen wären. Vor allem auch kleinere Filme, die mangels Produktions- und Werbemitteln in der Masse der mediengehypten Blockbuster oft untergehen und die ich Euch, wie Ihr vielleicht schon gemerkt habt, hier ja auch immer wieder mal unterjuble. Weil sie es einfach nicht verdient haben, dass sie niemand sieht.

Es sind aber nicht nur die Filme. Sich morgens um 10 im dunklen Kinosaal mit Kaffee statt Popcorn in den roten Plüsch zu fläzen hat irgendwie etwas angenehm Unwirkliches. Auch, wenn man natürlich nicht immer nur gute Filme zu sehen bekommt, kommt mir die Zeit, die ich im Kino verbringe, nie verschwendet vor. Im Angesicht der großen Leinwand verändert sich der Fokus, ich konzentriere mich und löse mich gleichzeitig auf. Klingt vielleicht nicht so, ist aber ein gutes Gefühl.

Im Kino komme ich irgendwie zur Ruhe, nicht zuletzt, weil das Handy einfach mal mindestens 90 Minuten aus ist. Nach einer kurzen Nacht kann man einen schlechten Film natürlich auch mal für einen Powernap nutzen - ein Luxus, den man sich in einem normalen Büro schon mangels Bequemlichkeit und Dunkelheit schlecht gönnen kann.

Empfehlen kann ich übrigens auch jeder und jedem, die/der das noch nie gemacht hat, mal ohne Begleitung ins Kino zu gehen. Es ist eine andere, intensivere Art, sich in eine Geschichte und ihre Stimmung zu versenken, wenn man alleine ist.

In diese Hinsicht hat das Kino auch eine besondere, persönliche Bedeutung für mich. Als ich vor etwas über zwei Jahren nach Hamburg kam, desorientiert, desillusioniert und vom Leben nicht gerade begeistert, wurde es schnell zu einer Art Refugium, zu einem Ort, an dem ich mich tatsächlich nie fehl am Platz gefühlt habe.

Der erste Film, den ich damals hier im Abaton gesehen habe, war „The Cut“ von Fatih Akin. Nicht nur der (umstrittene, meiner Meinung nach aber sehr wichtige und sehenswerte) Film hat in mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen, sondern auch das Gefühl, das ich hatte, als ich zum ersten Mal alleine aus dem Kino kam. Hier gehst du jetzt immer hin, habe ich da gedacht, und zum ersten Mal wieder so 'was wie Land gesehen.

Von daher, jawoll, ich liebe und romantisiere das Kino, und wenn ich drei Tage nicht drin war, fehlt es mir, so wie anderen das Fitnesscenter. Sport hat mir nie geholfen, aber der richtige Film - so wie auch die richtige Musik oder das richtige Buch - zur richtigen Zeit kann bei mir schon 'was verändern. Die eigene Stimmung, Haltung, Perspektive zu allen möglichen Dingen. Nicht nur in Bezug auf das, worum es in den Filmen geht, sondern auch in Bezug auf das, worum es in deinem eigenen Leben gerade geht.

Also, (nicht nur) wenn Ihr mal traurig seid und einsam und keiner auf Euch wartet - ab ins Kino. Da warten nämlich viele wunderbare Filme. Und das sind nicht immer die, die am lautesten schreien ;)

Kino

https://www.youtube.com/watch?v=ooM-RGUTe2E