twitterer, hört auf zu "beten"

es ist also wieder passiert. wieder ist ein fahrzeug in eine menschenmenge gerast, diesmal in london. als erstes davon erfahren habe ich auf twitter dank des hashtags #prayforlondon. zu dem vorfall selbst will ich mich hier jetzt nicht weiter äußern. noch wissen wir nicht genau, was passiert ist, auch wenn wahnsinn und methode, wie es aussieht, für einen terroranschlag zu sprechen scheinen.

keine ahnung, ob es nur mir so geht, aber dieses #prayforx-getue regt mich immer wieder auf. nicht nur, weil ich nicht an gott glaube und der meinung bin, dass religion in nicht unwesentlichem maße für terror und gewalt zumindest eine mitverantwortung trägt, und das schon immer und als ein konzept, das für sich selbst eine art von deutungshoheit beansprucht. nicht nur, weil ich glaube, dass beten noch nie irgendwem geholfen hat, außer höchstens dem betenden selbst. sofern er es denn tut.

beten ist das passivste, das hilfloseste, das bequemste, was wir tun können. außer vielleicht, den hashtag #prayforx zu verwenden. manchmal frage ich mich, wie viele der millionen von twitterern, die jetzt diesen hashtag verwenden, eigentlich wirklich beten. oder reicht es dem gläubigen in unserer heutigen zeit schon, so einen hashtag zu verwenden?

auf die straße gehen für london (bzw. für den frieden), spenden für london (zb. für friedensorganisationen), nachdenken für london, mit anderen diskutieren – vielleicht gerade mit denjenigen, die jetzt wieder in versuchung geraten, alles auf die den falschen gott anbetenden zu schieben – das alles bewirkt vielleicht auch nicht viel. dennoch kommt es mir weniger zynisch vor als die digitale gebetsmühle, mit der man nach solchen grauenhaften vorfällen immer wieder konfrontiert wird. bis morgen, spätestens übermorgen dann wieder andere themen den digitalen diskurs überschwemmen.

#prayforlondon

http://www.n-tv.de/politik/Vier-Tote-bei-Attacken-in-London-article19759789.html

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