Über die Europäische Union und ihre Zukunft

Es war Winston Churchill, der 1946 an der Universität Zürich von den „Vereinigten Staaten Europas“ sprach. Zwar verfolgte er damit durchaus auch politische Bestrebungen, nämlich die Integration Deutschlands in die europäische Staatengemeinschaft und gleichzeitig wollte er verhindern, dass die sowjetische Führung ihren Machteinfluss in Europa ausbauen kann. Die Worte des damaligen, britischen Premierministers verhallten jedoch weitestgehend ungehört.

Gerade in Zeiten, in denen nationalistische Töne erklingen, ist eine solche Vision eine belebende Abwechslung. Die Kritik an der europäischen Union in ihrer jetzigen Gestalt mag zwar berechtigt sein, ihr Erhalt bleibt jedoch weiterhin alternativlos. Die Geschichte unseres Kontinents ist eine von kriegerischer Gewalt, Verfolgung und Unterdrückung. Das ist nicht nur ein Ergebnis deutscher Bemühungen den Kontinent auf gewalttätige Weise zu unterjochen, sondern ein generelles Phänomen der Invasionen. Man denke an all die Feldherren, die ihren Machtbereich ausdehnen oder aber über innenpolitische Schwächen hinwegtäuschen wollten: Napoleon, Alexander der Große und sogar der Hunnenkönig Attila.
Sie alle jedoch scheiterten an der grundlegenden Schwäche ihrer Pläne. Es war nie ihr Ziel Frieden zu schaffen, sie sorgten nicht für infrastrukturelle Verbesserungen, sondern erhielten ihre Herrschaft beinahe ausschließlich durch staatsmännische Brutalität. Aus diesem Grund war ihre Regentschaft zumeist auch nur von begrenzter Dauer.

Erst seit der Existenz der europäischen Union, ist der Frieden weitestgehend auch durch vertragliche Bündnisse hergestellt. Deshalb sollte man, bei allen durchaus berechtigten Einwänden, den Verdienst der europäischen Union niemals ausschließlich auf das persönliche finanzielle Schicksal reduzieren. Mal abgesehen davon, dass viele Menschen nicht Opfer einer „europäischen Regulationswut“ geworden sind, sondern Opfer eines deregulierten Marktes. Gerade deshalb könnte man eigentlich fordern, dass die Befugnisse der europäischen Organe nicht weitreichend genug seien. Ein gemeinsamer Haushalt mag abschrecken, würde jedoch auch dafür sorgen, dass sich Reformen des Finanzsystems auch auf die internationale Ebene auswirken.

Ich bin kein sonderlich großer Befürworter von Vorbildern oder Leitfiguren. Sie lassen sich zu häufig missinterpretieren oder aber dienen als Rechtfertigung für die fehlende Reflektion über das eigene Verhalten. Helmut Schmidt jedoch ist ein Mann der präzisen Rhetorik und so schafft er es auch, die eigentliche Zielsetzung der europäischen Union mit den Worten zusammenzufassen:“ Wenn aber Europa sich als Ganzes behaupten will, dann muss es die Grenzen nationalstaatlichen Denkens überwinden und die Integration der Gemeinschaft weiter voranbringen. Nur im Rahmen der Europäischen Union sind wir den globalen Herausforderungen gewachsen, nationalistische Tendenzen dürfen nicht die Oberhand gewinnen. Die Europäische Union liegt im patriotischen Interesse eines jeden einzelnen ihrer Mitgliedsstaaten, insbesondere Deutschlands. Und eines Tages wird es vielleicht sogar einen europäischen Patriotismus geben.“

Politik funktioniert nur in kleinen Schritten. Große idealistische Pläne sind zum Scheitern verdammt, denn wer großes plant, kann auch große Fehler begehen. Die EU ist eine relativ junge Instanz, befleckt mit dem jugendlichen Makel der fehlenden Reife. Das sollte uns jedoch nicht entmutigen, sondern im Gegenteil dazu aufrufen an der Verbesserung mitzuwirken. Schließlich sind wir als Bevölkerung der Souverän. Und was ist die Europäische Union, wenn nicht die Summe aller europäischen Interessen?

Vereinigte Europäische Staaten

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