Umdenken!

Merkwürdig ruhig im Netz heute morgen, im Vergleich zu der Bombe, die da eingeschlagen ist. Die Trump-Befürworter halten sich mit Jubel noch zurück, so, als könnten sie es selbst nicht glauben, und die Gegner sind erschlagen und schauen offenbar noch mit offenem Mund auf die Bildschirme. Es ist offensichtlich passiert, und zwar nicht in einem Dritt-Welt-Land wie den Philippinen, sondern in der größten Supermacht des Westens. Ein Kandidat ist ganz offen gegen das „System“ angetreten, und er hat sich durchgesetzt. Alles Heulen, alles Warnen hat nicht gereicht.

Ja, auch ich habe Angst vor dem, was in der Präsidentschaft eines Präsidenten Trump alles passieren kann, und so spare ich mir jegliche Häme. So sehr es in der Souveränität des amerikanischen Volks liegt, denjenigen Mann zum Präsidenten zu wählen, den es will, so sehr fürchte ich, dass genau diese Wahl keine gute Idee war. Für die nächsten Jahre haben wir einen Halbirren, der nur sich selbst und sein aufgeblasenes Ego kennt, am Ruder einer der mächtigsten Demokratien der Welt, und das kann nichts Gutes bedeuten.

Dennoch sollten sich alle fragen, welche Schlüsse daraus zu ziehen sind, und zwar weiter gehend als das übliche „Wir haben die Menschen nicht mitgenommen“, das nach Wahlerfolgen der AfD aus der deutschen Politik zu vernehmen ist. Natürlich hat man die Menschen nicht mitgenommen, hat man in der Politik, in den Universitäten, den NGOs, den Lobbyorganisationen aufgrund des ständigen Selbstgesprächs, das sich vor allem um sich selbst drehte, das Gespür dafür verloren, was den kleinen Mann auf der Straße bewegte. Natürlich wäre es gut, dem Bürger zu erklären, wirklich zu erklären, was der Sinn politischer Maßnahmen ist, bevor man sie umsetzt, sei es der angedrohte Zulassungsstop für Autos mit Verbrennungsmotoren, die Flüchtlingspolitik, die Genderpolitik oder diverse weitere politische Maßnahmen.

Vielleicht wäre es aber auch gut, sich daran zu erinnern, dass der Bürger manchmal nicht einfach mitgenommen werden will, sondern seine eigene Meinung und seine eigenen Ängste hat, und dass es im Endeffekt diese Meinung ist, auf die es ankommt. Vielleicht wäre es hilfreich, wenn die Politik sich mehr am Bürgerwillen orientieren würde, anstatt den Bürger zu beschimpfen, wenn er anders tickt als die Politik es will. Genau dann, wenn jegliche Opposition als geistig minderbemittelt dargestellt wird, schlägt nämlich die Stunde der Populisten, die in der Lage sind, aus diesem Missverhältnis Kapital zu schlagen.

Es wird Zeit aufzuwachen. Für die nächsten Jahre haben wir es mit einem amerikanischen Präsidenten Trump zu tun, und wir sollten jetzt anfangen, daran zu arbeiten, dass wir es nicht in naher Zukunft mit einer französischen Präsidentin LePen zu tun haben, oder sogar mit einer deutschen Bundeskanzlerin Petry. Ob das der Fall ist, wage ich aber mit Blick auf die sich bildende Koalition in Berlin zu bezweifeln, wo weiter jeder seine Lieblingsprojekte durchzieht und sich um die Folgen keine Gedanken macht. Das alles lässt nichts Gutes ahnen.

Nach der Wahl in den USA