Underdogs ftw - Protestwahl ohne AfD

Hach ja, bald ist es wieder so weit. Die Bundestagswahl wirft ihre Schatten voraus, und vielleicht geht es einigen von Euch da so wie mir: Keine Ahnung, was ich wählen soll. CDU/SPD/Grüne/FDP etc. kommen für mich nicht infrage, da ich mich durch deren Politik und ihre Vertreter*innen nicht repräsentiert fühle.

Für mich persönlich hat es nichts mit demokratischem Bewusstsein zu tun, einer dieser sattgefressenen, medial aufgeblähten Parteien aus irgendeiner pragmatisch gechannelten Verzweiflung heraus meine Stimme in den Rachen zu werfen, nur weil ich glaube (und es natürlich auch wahrscheinlich ist), dass die meisten anderen es tun. Das ist ein bisschen so, wie sich ein Bayern München-Trikot zu kaufen, weil sie ja eh wieder gewinnen – obwohl man die Mannschaft eigentlich total unsympathisch findet.

Es besteht ja unter politisch Interessierten eine Art Konsens darüber, dass man zur Wahl gehen muss, auch wenn man, wie es scheint, irgendwie doch keine Wahl hat. Weil alles, das da derzeit marktschreierisch angeboten wird, doch irgendwie der gleiche Brei ist, nur in einer anderen Farbe. Nicht zur Wahl gehen geht aber auch nicht, weil man dann den Rechten quasi seine Stimme schenkt, das seh ich ja ein.

Ein großes Problem, gerade auch mit Blick auf junge Wähler*innen, sehe ich darin, dass – auch dank fahrlässiger Orakelei verschiedenster Medien – irgendwie der Eindruck entstanden ist, die einzige Möglichkeit der „Protestwahl“ bestehe darin, die AfD zu wählen. Zumindest habe ich noch nirgends einen anderen, konkreten Vorschlag gehört, wie man seinen Protest an der Urne zum Ausdruck bringen könnte. Dass die AfD-Wahl dabei oft als Befürchtung, nicht als Empfehlung formuliert wird, ändert nichts an der sich im vielleicht nicht ganz so reflektierten Hirn festsetzenden Assoziation: Wenn es mir nicht passt, wie es hier läuft, wenn ich mich durch die großen Parteien nicht repräsentiert fühle, kann ich eigentlich nur die AfD wählen. Fatale Annahme!

Und natürlich auch falsch, wie der referenzierte Artikel zum Glück sehr anschaulich belegt. Dass es eben doch sinnvoll sein kann, durchaus auch aus Protest, eine noch nicht etablierte Partei zu wählen, wird hier verständlich und überzeugend dargelegt. Die Argumente will ich hier nicht im einzelnen wiedergeben, sondern den Artikel einfach mal allen ans Herz legen, die mit dem Gedanken spielen, nicht zur Wahl zu gehen, ihre Stimme ungültig zu machen oder auch z.B. die SPD zu wählen, weil sie immerhin die Frisur von Martin Schulz besser finden als die von Merkel oder so.

Um mal bei der Fußball-Analogie zu bleiben: Viele Menschen lieben ja z.B. den FC St. Pauli. Obwohl er, wenn wir mal ehrlich sind, in näherer Zukunft wahrscheinlich nicht so weit oben stehen wird wie Bayern München. Unsere Herzen gehen eben oft mit den Underdogs, die noch dazu Ideale und Interessen repräsentieren, die wir teilen.

Ich persönlich sehe nichts Falsches daran, diese Haltung auch auf „die großen politischen Entscheidungen“ zu übertragen – wenn wir schon alle vier Jahre mal gefragt werden, was wir überhaupt wollen. Daher werde ich mir in den kommenden Wochen die Programme der noch wenig bekannten Parteien mal genauer ansehen. Konkrete Vorschläge werden gern per Re-Comment entgegengenommen.

Bundestagswahl 2017, Afd

http://mnementh.blogsport.de/2009/09/23/warum-es-sich-lohnt-kleinparteien-und-einzelkandidaten-zu-waehlen/

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