Unzerstörbarer als RoboCop - Isabelle Huppert kicks ass!

Wie hat sich ein Vergewaltigungsopfer zu verhalten? Doch sicher nicht wie SIE (franz. „elle“), Michèle Leblanc..?! - Eine Frage, die durchaus für Kontroversen sorgen dürfte nach Genuss dieses provokanten Meisterwerks von Altmeister Paul Verhoeven ("RoboCop", "Basic Instinct").

Michèles Geschichte beginnt mit einer Schockszene. Ein Maskierter dringt durch die Gartentür in ihr Haus ein und vergewaltigt sie auf dem polierten Parkett. Anstatt aber danach zusammenzubrechen, nimmt Michèle in Ruhe ein Bad, wäscht das Blut ab und bestellt Sushi.

Stolz und stoisch weigert sich die toughe Businesslady fortan, sich so zu verhalten, wie man es von einem traumatisierten Opfer erwartet. Sie kauft Pfefferspray und eine Axt, lebt ihr Leben aber ansonsten weiter wie bisher, inklusive hemmungslosem Sex mit dem Mann ihrer besten Freundin. Doch der Vergewaltiger sucht weiter Kontakt, und auch die Dämonen der Vergangenheit geben keine Ruhe.

Vierzehn Mal, öfter als jede andere Schauspielerin, wurde Isabelle Huppert („Die Klavierspielerin“) für den César nominiert, sie erhielt ihn 1996 für ihre Performance in Claude Chabrols „Biester“. Nach unzähligen anderen Auszeichnungen nun Golden Globe und Oscar-Nominierung für ihr unfassbar präsentes und kraftvolles Spiel in „Elle“. Keine Frage, mit der Grande Dame des französischen Kinos hat Verhoeven eine exquisite, die perfekte Wahl getroffen; eleganter kann man den Opfermythos nicht demontieren.

Verhoevens fesselnde, detailverliebte Inszenierung gibt Huppert viel Raum zum Strahlen – und lässt dabei so einige Facetten seiner Hauptfigur im beunruhigenden Halbdunkeln. Wer ist diese Frau wirklich? Was sind ihre Motive? Was verbindet sie mit ihrem Vergewaltiger? Und wer ist in diesem bösen Spiel eigentlich die Katze, wer die Maus?

Auch wenn die Story sicherlich ihre hanebüchenen Momente hat, gelingt Verhoeven und Huppert das mit viel lakonischem Witz angereicherte Psychogramm einer Frau, die fasziniert, schockiert, sprachlos macht. Die nichts von dem preisgibt, was ihr gehört – nicht ihre Würde, nicht ihre Verletzlichkeit, nicht ihre sexuelle Selbstbestimmung und schon gar nicht ihr eigenes, abgründiges Geheimnis.

Stark und nachhaltig verstörend: La Huppert kicks ass! Und wird für diese Tour de Force hoffentlich ihren ersten Oscar bekommen.

"Elle" von Paul Verhoeven, Oscars 2017, Isabelle Huppert, Paul Verhoeven

https://www.youtube.com/watch?v=MypCDtsVFbA