Up The Rabbit's Ass…

Ist es nicht erstaunlich, wie gut das mit dem Selbstbelügen hinhaut? Wir alle kennen das. Wir wissen, etwas ist so, aber wir leben konsequent ein Leben, als wäre es völlig anders. Wir fressen zu viel und zu schlecht, wissen, dass es uns nicht gut tut, aber finden es voll akzeptabel, solange wir es machen. Bis wir damit aufhören und nach einiger Zeit zurückblickend uns darüber wundern, dass wir das okay fanden. Wider besseren Wissens.

Oder wir rauchen oder saufen zu viel. Schließlich hören wir auf damit und merken erst dann, wie sehr man sich zuvor in einer sehr bemühten Realitätsauffassung bewegt hat.

Wir können das gut. Zufrieden sein in einem Job, der uns unglücklich macht. An einem Partner festhalten, weil man ihn doch liebt. Aber eigentlich liebt man nur den Umstand nicht alleine zu sein und fürchtet Veränderung. Wir Menschen haben zu viel Phantasie, um unangenehme Realitäten uns in die Quere kommen zu lassen.

Wir fürchten Terrorattacken, misstrauen und hassen Asylanten, verorten das Böse in dieser anderen Religion, die doch zu alledem führt und wir verurteilen diese und hoffen, den Terror eines Tages zu besiegen. Gleichzeitig wissen wir aber, dass die unschuldigen Menschen, die im Namen unserer westlichen Kultur bei der vorgeblichen Terroristenjagd mit kaputtgebombt, etc. werden, deren Angehörige und Freunde auch deswegen flüchten müssen, dieselbe Angst, und gemessen an dem Ausmaß an erlebter Bedrohung und Tod, sogar noch viel größere Ängste als wir erleben mussten und erleben. Unvorstellbar mehr davon. Und wenn wir wegen unserer Terror-Toten schon so fürchten und mitunter hassen, wie mögen einige von denen erst sich fürchten und hassen? Trotzdem wundern wir uns dann über Terroraktionen und können es einfach nicht verstehen. Obschon wir es tun. Hand auf's Herz. Verstehen heißt ja nicht rechtfertigen.

Die Saudis unterstützen den Terror, die Attentäter des elften Septembers waren Saudis, Bin Laden war Saudi. Ihre extreme Form der Auslegung ihrer Religion ist auch das ideologische Fundament des Terrors. Aber Saudi Arabien ist der Kumpel der Amerikaner…

Ansstelle Terrororganisationen nur mit Waffen zu bekämpfen sollte man ihnen vor allem die Versorgungslinien kappen. Wieso haben Menschen aus Ländern ohne nennenswerte Schwerindustrie oder Wirtschaft, außer dem Öl derer die sie fördern, Mittel und Waffen für so einen Zirkus? Wieso geben wir ihnen das Zeug, mit dem sie andere und uns dann umbringen können? Warum halten wir diesen Zustand aufrecht? Wir wissen warum.

Wirklich, wir wissen das doch. Die Medien müssten eigentlich über nichts anderes als das und den in unserem Namen getöteten Zivilisten berichten. Von früh bis spät. Außerdem darüber, was jüngst Trump, und vor ihm George Bush Sr., George Bush Jr. und selbst Obama seit den Attacken auf das World Trade Center 2001 noch bei den Saudis zu suchen hatte. Hände schüttelnd. Vor Kameras. Oder Merkel. Sigmar Gabriel…

In einigen Jahrzehnten, sollten sich die Dinge bis dahin doch noch zum Guten hin wenden, werden wir zurückblicken und die gegenwärtigen Gegebenheiten betrachten. Und sie so klar sehen wie heute auch schon. Aber wir werden uns dann wieder konsterniert fragen, wie wir gleichzeitig leben konnten, als sei es vollkommen anders gewesen. Als sei der Himmel braun und die Erde eine Scheibe. Übertrieben? Den Grad der "Realitätsverbiegung", den wir und die meisten Medien fahren, halte ich für vergleichbar. Und womöglich ist der sogar gefährlicher.

Okay, krasser Ausflug in die Niederungen weltpolitischer Tristesse. Jedenfalls phantasieren wir im Dauermodus, im persönlich Privaten, als auch auf gesellschaftlicher Ebene. Und hinterher sind wir dann immer schlauer. Was gelogen ist. Weil eigentlich sind wir es davor ja schon.

Realität, Lebensl├╝gen, Terrorismus

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