Virtual Company

So, jetzt wird es wieder voll seltsam. Sorry schonmal im Voraus. Ich nutze diese Seite ja ganz gerne ab und an als Manifestationsgelegenhheit für mich umtreibende Hirngespinste. Um sie, zu "Fleisch" geworden, vielleicht besser greifen, lochen und abheften zu können. Dafür habe ich "Grübeln, Sinnieren und Tagträumen..." nicht zuletzt ins Leben gerufen. Hier dreht es sich nicht um intellektuell Fertiggedachtes oder so. Schlingernder Irrsinn braucht schließlich auch ein Zuhause.

Irgendwie geht es um Virtual Reality. Aber nicht im eigentlichen, futuristischen, bzw. mittlerweile ja nicht mehr so futuristischen Sinn, sondern ganz elementar, fernab technischer Spielerei. Ich spreche von unseren Köpfen. Unseren Gehirnen.

So sehr ich das Übersinnliche liebe, in Geschichten, in Theorien, ich glaube nicht daran. Geister, Dämonen sind cool, aber nicht real. Ich glaube an keine übergeordnete Verbundenheit der Wesenheiten miteinander. Informationen verbinden uns. Jeder trägt seine nach Interpretation dieser Information geformte Welt mit sich herum, in der er alleine ist. Ganz alleine. Da ist niemand. Nur Gespenster anderer hermetisch verrieglter Wesen, Abdrücke gemäß der Informationen, die wir als Einziges von ihnen erhalten. Diese Interpretationen zeitigen eine Welt, die der Realität, in der wir uns niemals tatsächlich aufhalten, doch hoffentlich einigermaßen nahe kommt.

Das Wir-Gefühl ist eine schöne Illusion. Eine notwendige Lüge, um zu überleben. Zehn Leute sind auf einer Party. Zehn Leute hören denselben Song. Zehn Leute sind jeweils in einer anderen subjektiven Wirklichkeit. Trotzdem hat jeder dieses Wir-Gefühl. Als wäre man eins. Am selben Ort. Aber keiner ist es. Jeder bleibt in seiner eigenen Welt gefangen. Gut nur, dass es so etwas wie Spielregeln gibt, Konventionen für ein halbwegs übereinstimmendes Erleben. Wir erleben alle niemals dasselbe, aber wenigstens mehr oder minder das Gleiche? Es ist wie im Online-Egoshooter. Jeder hockt vor seinem PC und sieht die anderen in einer synchronisierten, virtuellen "Wirklichkeit". Aber da ist nicht ein Raum, in dem sich alle Teilnehmenden aufhielten. Da sind so viele Räume wie Teilnehmer. Und die Konventionen sorgen nur für genug Übereinstimmung, dass die Illusion eines gemeinsamen Raumes und damit das empfundene "Wir" entsteht.

Die Realität berühren wir niemals. Mit ein paar wenigen, leidlich leistungsstarken Sensoren, unseren Sinnen, tasten wir sie ab. Der Rest ist zerebrale Rechenpower. Wir berühren einen anderen Menschen noch nichtmal physisch bei einer Umarmung. Zum einen umarmt man eh nur Interpretationen von Menschen und zum anderen ist es eh so, dass auf atomarer Ebene genaugenommen gar keine Berührung stattfindet. Atome können andere Atome nicht berühren. Eine Minimaldistanz bleibt unüberwindbar. Ein wenig spitzfindig, okay. Es wäre aber sowieso egal, da wir ja nicht wirklich anwesend sind in einer gemeinsamen Realität. Wir hocken vor unseren inneren PCs und zocken unser Leben. Wir sprechen mit Avataren und umarmen Avatare. Es ist nicht viel anders, als ob man jemandem ein rotes Herzchen in die Timeline auf Facebook postet. Alles Wesentliche passiert stets in unseren Köpfen. Und nur da.

Worauf will ich hinaus? Der Witz ist, es bedeutet unter anderem, dass die Fähigkeit zu allem Glück und allem Leid alleine in uns wohnt. Wir sind die Quelle sämtlicher Gefühlszustände. Eigentlich. Nur dass die zu einem Großteil eben von der Illusion des Außen abhängen. Wir müssen anderen Menschen "begegnen". Das heißt den Gespenstern in unserer Wahrnehmung, die sie repräsentieren. Damit Stoffe in unseren Gehirnen freigesetzt werden, die eben für Glück oder Leid sorgen. Aber alles steckt zu jeder Zeit in uns, ist bereits vorhanden und wartet nur darauf getriggert zu werden. Ich finde es bemerkenswert, eine derart sozial determinierte "Maschine" zu sein, dass ich, obwohl ich alles bereits in mir trage, doch durch das Außen "belebt" werden muss. Und das anhand von spärlichen Informationen, die meine virtuelle Lebenswelt speisen. Unsere Lebensumstände können uns beispielsweise unglücklich machen, uns in seelische Wracks verwandeln, und doch erfolgen die letztendlich bestimmenden, emotionalen Hiebe stets durch das eigene Schwert. Das Äußere hat sie nur bedingt.

Gesellschaft ist wie ein Organismus und wir sind die Organe. Der Organismus steht über den Organen. Wie bei den Borg aus dem Star Trek-Universum. Unsere Natur schützt nicht uns an erster Stelle. Sie schützt den Organismus. Wir gehen zugrunde, wenn wir nicht sozial handeln. Dann kommen wir nicht an die Glückskekse heran, die wir längst besitzen. Höchstens mit Drogen oder ausgefeilter Meditation finden wir eventuell einen Weg, den Mechanismus einen Moment auszutricksen. Ein bisschen. Vielleicht.

Warum sind wir nicht einfach nur Champignons, die am Wegesrand sprießen und fortwährend unabhängig glücklich sind? Wieso ist die Welt so kompliziert? Wir könnten unendlich glücklich sein, egal was ist, es wäre alles schon da. Und doch sind wir Sklaven des Miteinanders, ohne jemals wirklich, ich meine TATSÄCHLICH beieinander zu sein.

Das ist jetzt alles vielleicht ein wenig bitter (und wirr!). Ich wünsche mir durchaus auf dem Holzweg zu sein. Eine kleine irrationale Hintertüre lasse ich mir natürlich auch. Indem ich das eben geschilderte meistens ignoriere und einfach trotzdem annehme, dass ihr alle bei mir seid. Oder ich bei euch. :D

Grübeln, Sinnieren und Tagträumen...

https://youtu.be/mDObFetwDis