vom stammtisch an den frühstückstisch - die flüchtlingsdebatte

ich gebe dr. albus recht: 2016 hat, wie es scheint, eine signifikante politische spaltung in deutschland hervorgebracht. polemisch ausgedrückt, haben sich mit den „gutmenschen“ und den „besorgten bürgern“ zwei opponierende positionen manifestiert und im denken der menschen rasant verfestigt; nicht zuletzt dank der stetigen, medialen wiederholung und damit verankerung der og. kampfbegriffe, mit denen die eine front die jeweils entgegengesetzte despektierlich zu betiteln pflegt.

die fronten verhärten sich, und es verstärkt sich seit dem letzten jahr mehr denn je auch für das individuum der druck, sich gegenüber dem oben genannten schema zu positionieren. politik ist plötzlich nicht mehr nur thema von tv-tafelrunden und stammtischen, sondern hat ihren weg an die frühstückstische der nation gefunden.

vielleicht ging es nicht nur mir an den vergangenen feiertagen so, dass auch im innersten kreis plötzlich hitzige diskussionen über das große, unsere gesellschaft bewegende thema der flüchtlingspolitik aufkamen – und vielleicht sogar das eine oder andere „besinnliche“ weihnachtsfest wegen unüberbrückbarer meinungsdifferenzen gesprengt wurde.

ich persönlich finde diese entwicklung nicht unbedingt negativ.wenn diese themen den inner circle unserer persönlichen welt erreichen, werden wir, so wir unsere wichtigsten beziehungen aufrecht erhalten wollen, gezwungen, die og. dialektik zu hinterfragen, was sehr wahrscheinlich zu dem schluss führt, dass der neuerliche meinungsdualismus im grunde nur ein konstrukt ist, das sich, zumindest in einigen fällen, durch eine respektvolle face-to-face-kommunikation auch als solches identifizieren und damit im besten falle auflösen lässt.

was wir auf globaler ebene nicht erreichen können, gelingt, so jedenfalls mein fazit, auf direkter, persönlicher ebene öfter, als man denkt. in der direkten kommunikation und im austausch von argumenten und informationen auch und gerade zwischen andersdenkenden liegt meines erachtens der schlüssel zu der wichtigen erkenntnis, dass eben nicht alles so schwarz-weiß ist, wie uns der mediale diskurs oft glauben macht.

in diesem sinne wünsche ich allen mitlesenden ein friedliches und diskussionsfreudiges jahr 2017.

Das hat 2016 uns gebracht, Fl├╝chtlingsdebatte, Diskussionskultur