vom vergewaltigungsopfer zur "erlebenden": schönsprech-bullshit galore.

große aufregung: wer vergewaltigt wurde, soll zukünftig nicht mehr als „opfer“, sondern als „erlebende/r(?)“ bezeichnet werden. wenn es nach der missy-autorin und kulturwissenschaftlerin mithu sanyal geht. in einem offenen brief haben sich jetzt organisationen wie terre de femmes, femen, #onebillionrising dagegen aufgebäumt, diesen vorschlag in den duden aufzunehmen. mit recht. hauptkritikpunkt: eine vergewaltigung ist kein event, wie etwa ein konzertbesuch, der begriff „erlebende“ kann daher als euphemismus gewertet werden, der die in einer v. demonstrierten, unleugbar asymmetrischen machtverhältnisse verschleiere.

ein weiterer kritikpunkt an diesem gegenteil-von-guten-gut-gemeinten vorschlag ist m.e., dass „erlebende“ eine starke präsens-konnatation enthält, die sicher nicht im sinne eines vergewaltigungsopfers sein kann. weil „erlebende“ eben impliziert, dass der vorfall gegenwärtig stattfindet, sollte mich mein sprachgefühl nicht täuschen. müsste man nicht, wenn schon, von „erlebthabenden“ oä. sprechen, wenn man denn schon so pseudo-sensibel versucht, den opferdiskurs im sinne der opfer (!) erträglicher zu machen?

opferdiskurs, missy, mithu sanyal, vergewaltigung, duden

http://www.emma.de/artikel/opfer-sollen-nicht-mehr-opfer-heissen-334215

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