warum veganer wirklich "nerven"

zugegeben, der titel ist ein bisschen provokativ, ich persönlich fühle mich von veganern nicht genervt. einige meiner freunde sind vegan, und ich habe im gegensatz zu sarah noch nicht festgestellt, dass sie jedem ständig ihre einstellung „off topic“ aufs brot schmieren; vielmehr sprechen sie eigentlich nur aus rechtfertigungszwang darüber, wenn es von omnivorer fragestellerseite bspw. mal wieder darum geht, warum der kaffee eigentlich mit sojamilch bestellt oder warum das leckere steak vom grill abgelehnt wird.

diese veganen freunde mögen ausnahmen sein, ständig missionierende veganer mögen den einen oder anderen fleischesser tag und nacht mit erklärungen über ihre essgewohnheiten in den wahnsinn treiben – dennoch ist es alles andere als unverständlich, dass, wer vegan lebt, sich und seine überzeugung seiner nicht-veganen umwelt auch erklären will.

die logik dahinter wird klar, bedenkt man als ziel des veganismus die abschaffung von va. durch massentierhaltung bedingtem tierleid. diese kann eben nicht gelingen, wenn nur ein paar freaks die milch gegen sojamilch tauschen. veganismus ist in erster linie kritik am massenkonsum, und der ist nun mal der sache nach keine privatangelegenheit.

mit dem veganismus verhält es sich in gewisser weise ähnlich wie etwa mit recycling oder polictical correctness: wenn's nicht alle machen (oder wenigstens die mehrheit), macht es kaum sinn. deshalb ist der von vielen als nervig empfundene aufklärungsdrang mancher veganer sozusagen der thematik inhärent.

ob missionierungsversuche aus veganer sicht zum erfolg führen, sei indes mal stark in zweifel gezogen. der mensch ist eben ein gewohnheitstier, die tierproduktlobby ist groß und mächtig und die küken im schredder sind vom nicht-vegan gepolten hirn schnell verdrängt, wenn es um die frage geht, welche nudeln „besser schmecken“ - oder eben billiger sind.

ich persönlich vermute, dass sich viele nicht-veganer dieser problematik im grunde bewusst sind, oder sagen wir, „unbewusst bewusst“. diese „unbewusste bewusstsein“kommt in teils aggressiver abneigung gegen veganer (anstatt gegen bspw. die tierindustrie) zum ausdruck. veganer „nerven“, sind überempfindliche spaßbremsen, erheben sich moralisch über andere und was man ihnen nicht alles vorhält, nur damit sie einem nicht schon wieder den appetit verderben.

gern mit ausdrucksstarken (aber leider realen) bildern versehene aufklärungsversuche seitens veganer mitmenschen können dank gesellschaftlich vollakzeptiertem veganer-bashing relativ bequem ignoriert werden. und das ist voraussetzung, wenn man (und da nehme ich mich selbst nicht aus) seinem anerzogenen und seit jahren kultivierten lebensstil treu bleiben will. denn auch den wenigsten überzeugten nicht-veganern schmecken wohl die nudeln noch, wenn sie beim essen an die küken im schredder denken.

Veganismus