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Was ein guter Chef können sollte

Das sogenannte Jahrhundertderby zwischen Dortmund und Schalke im November hat wie immer viele Geschichten zu erzählen.
Eine davon fand eher am Rande statt, die finde ich jedoch sehr bemerkenswert.
Alles fängt mit Marcel Schmelzer an, dem Dortmunder Verteidiger. Er ist nach diesem und den nächsten Spielen mit seinen Teamkollegen hart ins Gericht gegangen und beschwerte sich darüber, dass jeder zu wenig gelaufen sei, zu wenig gekämpft habe und jeder solle sich doch bitte hinterfragen, ob er eine professionelle Einstellung an den Tag lege.
Wahrscheinlich bestätigten ihn sogar die Zahlen: weniger Kilometer gelaufen als der Gegner, eine schlechtere Zweikampfquote.
Und wie oft hatten wir Fans schon den Eindruck, dass unsere Mannschaft einfach eine Ansammlung von Millionären sei, die keinen Bock auf Laufen hätten, weil sie schlicht schon satt seien.
Hätte alles stimmen können. Man hätte sagen können, dass der Trainer Peter Bosz seine Mannschaft nicht wachgekitzelt hätte und keinen Teamgedanken gefördert hat. Vielleicht stimmte das auch. Jede Woche hieß es „Jetzt müssen wir aber gewinnen“, und dann kamen die alten Fehler wieder hoch.
Der Trainer wurde gefeuert und durch Peter Stöger ersetzt, witzigerweise derjenige, der in der gesamten Saison noch kein Ligaspiel (nach immerhin 15 Versuchen) gewonnen hat. Nach nur einer Trainingseinheit ging es zum nächsten Spiel, prompt gewann die Mannschaft 2:0.
Zufall? Hat der Stöger die Spieler viel besser gepackt als noch in Köln? Wollten die Spieler einfach zeigen, dass sie es besser können?
Vielleicht. Vielleicht ist es auch nur ein Strohfeuer, und nach der Winterpause geht alles wieder den Bach herunter.
Glaube ich aber nicht. Wer zwischen den Zeilen liest oder ein wenig die Pressekonferenzen verfolgt, kann auf interessante Hintergrundinfos stoßen. Peter Stöger änderte nicht viel – nur Nuancen. Er ließ die Aufstellung und die Grundtaktik so, wie sie es gewohnt waren. Nur verschob er die Verteidigungslinien um ein paar Meter nach hinten, näher ans Tor. Sofort spielten die meisten Spieler sicherer, weil sie besser abgesichert waren. Lief der Ball besser nach vorne, weil man mehr Zeit hatte, die Anspielstation zu suchen. Kurz gesagt: das gesamte System lief sicherer und flüssiger. Wegen einer Detailverschiebung. Keine psychologischen, tiefsinnigen Gespräche, kein flammender Appell an die Ehre der Spieler, kein Austausch der halben Mannschaft. Einfach nur die Abwehrkette um ein paar Meter verschoben.
Gleichzeitig betonte Stöger (und auch viele Spieler), dass sie überhaupt kein Problem mit dem Vortrainer gehabt hatten. Normalerweise hört man immer wieder verdeckt, dass die Zusammenarbeit doch nicht so richtig gut war und jetzt alles viel besser sei. Aber nein, unser Marcel Schmelzer schien eher verwundert, als er feststellte, dass jetzt alles irgendwie von selbst viel besser lief.

Ich finde, diese kleine Geschichte ist ein wunderbares Beispiel für Führungskompetenz. Wenn die Führungskraft erkennt (oder auch nur aus dem Bauch heraus handelt), welche Stellschrauben verändert werden könnten, um sofort ein besseres Ergebnis zu erzielen. Wie viele Manager sitzen jeden Monat an ihren Ergebnissen und sagen ihrem Team, dass sie es jetzt doch endlich schaffen müssen, ihr Ziel zu erreichen.
Wenn sie ein paar Seminare belegt haben, setzen sie sich mit ihren Mitarbeitern hin, analysieren die Zahlen und setzen sich individuelle Ziele, z.B. mehr Telefonate schaffen, eine höhere Abschlußquote oder was auch immer. Das ist ungefähr so, wie wenn der Trainer sich mit dem Spieler hinsetzt und sagt: Du musst mehr Tore schießen. Oder: Du musst mehr laufen!
Als ob die Spieler das nicht wüssten. Oder nicht jeden Tag versuchen würden. Nein, die wahre Aufgabe besteht darin, die Stellschrauben so zu drehen, dass der Spieler von selbst in Torabschlussnähe kommt. Übertragen: Dass er automatisch mehr telefoniert. Das hat oft gar nichts mit dem Ziel an sich zu tun. Vielleicht ist das Reporting einfach so nervig, dass es zu viel Zeit kostet.
Dafür ein Gefühl zu entwickeln und den richtigen Teamspirit zu entfachen, ist wahre Führungskunst. Das entbindet den Spieler, sprich den Mitarbeiter natürlich nicht. Er muss schon Profi sein und das, was er tun soll, gerne tun. Aber der Rest ist Führungsarbeit.
In diesem Sinne bin ich gespannt, was Peter Stöger noch so für Maßnahmen bereit hält.

Führungskraft, Borussia Dortmund