wegen guter Führung...

Wer kennt den Film Catch me if you can? Da ist ein junger, trick- und fintenreicher Fälscher, der alle an der Nase herumführt. Bis der alte FBI-Agent kommt und ihn jagt. Irgendwann ist unser junger Held müde und zermürbt, er kann nicht mehr, da wo er hin will ist schon die Polizei. Schließlich wird er gefasst.
Es handelt sich um eine wahre Geschichte. Und das Interessanteste: Der junge Fälscher wechselt die Seiten, seine Strafe fällt gering aus, und er deckt fortan Fälschungen für das FBI auf. Weil er weiß, wie Fälscher denken, ist er ihnen um eine nasenlänge voraus.
Genau das dachte ich mir, als ich gestern Max Meyer spielen sah. Weil der Junge wie ein Offensiver denkt, weiß er schon vor seinem Gegenspieler, wo er den Ball hinspielen wird und ist schon da. Unglaublich der Junge.
Die Idee ist ja gewiss nicht neu. Bastian Schweinsteiger wurde schon so umgesetzt, auch „alternde Stars“, wie Matthäus oder auch unser Olaf konnten ihre Erfahrung bereits im Defensivbereich einbringen und ihre Mannschaften damit entscheidend weiter bringen.
Was mich in diesem Fall viel mehr fasziniert, ist die Art und Weise, wie Tedesco – und auch Heidel – das Ganze moderiert haben. Das ist für mich ein Paradebeispiel für die perfekte Führung.
Dazu gehört nicht, einfach nur zu denken „Ja, das könnte klappen, probieren wir mal aus.“ Sondern überhaupt zu erkennen, dass Max´ Fähigkeiten genau die sein könnten, die uns auf der 6 fehlen, ist das eine. Aber auch zu erkennen, dass er womöglich in der Lage ist, auch defensiv ohne Absicherung im Kollektiv zu funktionieren, ist schon hohe Kunst.
Aber wie kriegst Du jemanden, der eigentlich auf dem Absteigenden Ast ist, der von vielen kritisiert wird und der schon fast den Ruf eines überschätzten Talents hat, dazu, jeden Tag Extraschichten einzulegen, sich auf völlig neue Aufgaben einzulassen? Es scheint ja, als ob Max jetzt einen völlig neuen Charakter hat als früher!
Ich war selbst schon verzweifelt. Ähnlich wie bei Draxler war ich schon der Meinung, dass das Umfeld von Max so ist, dass seine Stärken hier einfach nicht zum Tragen kommen.
Ich weiß auch nicht, wie Tedesco das geschafft hat. Aber ein paar Dinge weiß ich: Erstens: Ohne Max`Bereitschaft, an sich zu arbeiten, wäre das nicht gegangen. Alle, die ihn schon zum Teufel jagen wollten, sollten das mal auf der Zunge zergehen lassen. Das zeigt auch: Fußballern geht es nicht ums Geld. Denn sie haben so viel davon, dass es nicht mehr um ein paar Hunderttausend Euro geht, so doof sich das für uns anhört. Es geht um Bedeutsamkeit, Wichtigkeit. Auch wenn es so junge, verhätschelte Stars sind.
Der Umgang mit Spitzenkräften ist immer sehr schwer, auch im Unternehmen. Denn sie brauchen eine andere Führung als junge, unerfahrene Leute. Im Profisport ist es doppelt schwer, denn die Spitzenkräfte sind in ihrer Persönlichkeit (aufgrund des Alters) noch nicht ausgereift und werden oft von ihren Beratern, Freunden, Fans auf eine extrem hohe Ego-Stufe geholt. Im Unternehmen kannst Du die Spitzenleute nur dann erreichen, wenn Du eines bist: Authentisch, ehrlich und nicht auf Deinen Vorteil bedacht.
Das ist das Mindeste, was Tedesco mitbringt, um sein Team zu erreichen. Und dasselbe gilt für Heidel: Er wusste, dass er einen Trainertyp verpflichtet, der viel wagt und sich nicht wichtig nimmt, sondern das Team. Aber dafür muss man auch selber einstecken können. Und das tun beide: Heidel und Tedesco. Alleine das unterscheidet sie sehr von ihren Vorgängern. Und trotz des Ergebnisses gestern bin ich froh, die beiden bei uns zu haben.

Führung im Spitzensport