"Wenn die Gondeln Trauer tragen" (1973)

Irgendwie ironisch – manchmal scheint es so zu sein, dass Filme, die man als Kind „besser nicht hätte sehen sollen“, später (?) Lieblingsfilme werden. Fragt sich: Haben diese Filme unser dunkles Selbst so sehr geprägt oder war die Affinität schon vorher da? Darüber mögen Therapeuten rätseln.

Jedenfalls möchte ich heute auch mal mein filmisches Kindheitstrauma zum Besten geben und zugleich einen der, wie ich finde, besten Horrorfilme aller Zeiten empfehlen: „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ von 1973. Wenn ich diesen Titel nur schreibe, kommt mir schon das Schaudern, denn, oh Freund*innen der Nacht, dieser Psychostreifen hat es wirklich in sich…

Ich sah ihn erstmals im dunklen „Videokeller“ meiner Tante, wenn ich mich recht entsinne, in den wir als Kinder manchmal gehen durften, um uns ohne elterliche Aufsicht anhand hunderter von VHS selbst zu bespaßen – oh, Ihr Erziehungsberechtigten, wenn Ihr wüsstet, was wir da alles gesehen haben..!

Der Videokeller war ein schmuckloses Zimmerchen mit etwas muffigem Geruch, einer alten Matratze auf dem Boden und schummriger Beleuchtung. Ich war vielleicht sieben, als meine Cousine und ich ganz zufällig auf die mit den Unheil verströmenden Worten „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ beschriftete Kassette stießen und das Band einlegten, ohne eine Vorstellung davon zu haben, welch psychotischer Schrecken uns bevorstand.

Ich will nicht zu viel über die Handlung erzählen, nur so viel: Der Film spielt in einem als einzige, morbide Halluzination inszenierten Venedig – eins meiner Traumreiseziele seitdem. Hierher verschlägt es Donald Sutherland und Julie Christie als Ehepaar Baxter. Traumatisiert durch den Tod ihrer kleinen Tochter, wird die Reise zum hypnotischen Alptraum.

Wer diesen Film gesehen hat, braucht nur ein Stichwort, um vor Entsetzen zu erstarren. ROTER REGENMANTEL. Ein Kleidungsstück, das mich lange in meinen Träumen verfolgt hat. Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht sagen, sonst kann ich heute Nacht nicht schlafen und versaue Euch womöglich einen Schocker, den Ihr unbedingt (ohne Eure Kids und andere Zartbesaitete!) sehen solltet, wenn Ihr Euch mal so richtig in die Hosen machen wollt.

Übrigens ist es nicht nur der Horror, der dieses betörende Kunstwerk für Kinder eher ungeeignet erscheinen lässt. Es gibt auch eine ziemlich verstörende Sexszene zwischen den Hauptdarstellern, die seinerzeit für einen Skandal sorgte, weil man munkelte, der Donald und die Julie hätten wirklich...

Aber zurück zur These, ich hätte diesen Film als Kind besser nicht sehen sollen: Finde ich nicht. Auch wenn meine unschuldige, kleine Seele dadurch vielleicht einen Knacks bekommen haben sollte, hat mich der Streifen auch nachdrücklich fasziniert, und das möchte ich nicht missen. Ehrlich gesagt, hat es danach kaum mehr ein Film geschafft, in mir eine derart fundamentale, köstliche Angst zu erzeugen. Leider.

Als spätere Autorin von unheimlichen Erzählungen muss ich sagen, dass „Wenn die Gondeln Trauer tragen" durchaus seine Spuren in meiner Arbeit hinterlassen hat, auf jeden Fall in Form eines Anspruchs an mich selbst. Genau diese Art von Horror ist es, die ich erzeugen will, eine rätselhafte Atmosphäre, die mit kalter Fieberschweißhand nach Euren Hälsen greift und nicht mehr loslässt, auch wenn Ihr das Buch schon lange zugeschlagen habt. NIE mehr. Hä hä.

Horror, LIEBLINGSFILME, Wenn die Gondeln Trauer tragen

https://schauerfee.de/rund-um-den-grusel/kinderfilme-die-ganz-schoen-horror-sind/

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